Zur Story: Ich   würde   nicht   soweit   gehen   Gravity   als   ein   Meisterwerk   zu   bezeichnen,   jedoch   ist   die   Vermittlung der   Atmosphäre   im   erdnahen   Weltraum   geradezu   perfekt   gelungen.   Bildtechnisch   sicherlich   ein Genuß, fällt der Film insgesamt in die Kategorie „bedingt Wiederholungsfähig“. Leider kommt aber auch Gravity nicht ohne Fehler über die Runden. Was   besonders   Schade   ist,   wo   man   doch   optisch   und   akustisch   auf   fast   schon   pedantische Authentizität setzt. Die    Darstellung    vorbeifliegender    Trümmerteile    ist    optisch    beeindruckend    und    erlebnisfördernd nachvollziehbar.   Allerdings   darf   gesagt   sein,   dass   alles   was   es   in   90   Minuten   einmal   um   die   Erde schafft,   deutlich   schneller   als   eine   Gewehrkugel   ist.   Und   die   ist   vom   menschlichen   Auge   definitiv nicht wahrnehmbar. Mag man diesen Fehler noch verzeihen, hat er zusätzlich noch einen gravierenderen Effekt. Die   Trümmer   müssten   doppelt   so   schnell   sein   wie   die   ja   ebenfalls   um   die   Erde   kreisenden Menschen, Stationen und das Shuttle, um diese innerhalb von 90 Minuten wieder zu erreichen. Damit   wären   sie   aber   so   schnell,   dass   sich   die   Gravitation   der   Erde   und   die   Fliehkraft   schnell fliegender Objekte nicht mehr aufheben. Das heißt, der Orbit der Trümmer würde sich erhöhen. Und damit wären sie außer Reichweite. Das   der   Abschuß   eines   einzelnen   Satelliten   einen   Kaskadeneffekt   auf   in   der   Nähe   befindliche Satelliten   hat   ist   leicht   übertrieben.   Beschädigungen,   ja.   Aber   dass   andere   Satelliten   gleich   mit platzen   und   deren   Trümmer   dann   noch   in   die   gleiche   Richtung   fliegen,   zeitgleich   wohlgemerkt,   ist abwegig. Glaubwürdiger wäre es gewesen, wenn man mehre Wellen von Trümmerteilen in zeitlich abweichenden Abständen eingesetzt hätte. Zweiter böser Fehlschuß war die Szene an der ISS. Glooney hängt an Bullock und Bullock am   Seil   des   Bremsfallschirms.   In   dem   Moment,   in   dem   sich   das   Seil   strafft,   sollten   eigentlich   beide einen reversen Bewegungsimpuls erhalten, der sie in Richtung ISS hätte treiben lassen. Das   funktioniert   sogar   unter   Normschwerkraft   hier   unten!   Auch   ein   heranziehen   von   Glooney   hätte kaum   Krafteinsatz   benötigt,   da   in   der   Schwerelosigkeit   auch   gröbere   Massen   recht   einfach   zu bewegen   sind.   In   keinem   Fall   hätte   das   Seil   reißen   können.   Und   was   zur   Hölle   hat   denn   eigentlich an Glooney derart gezogen, dass es das Seil spannte? Diese,   den   Anforderungen   der   Dramaturgie   geopferte   Plausibilität   ist   es,   die   den   tatsächlichen Wert   solch   fantastischer   Filme   nachhaltig   mindert.   Zumal   man   es   hätte   anders   machen   können. Was   fehlt?   Ideen?   Oder   liegt   es   an   der   vorherrschenden   Meinung,   dass   der   Zuschauer   nimmt   was er kriegt und weiter nicht drüber nachdenkt? Passt vielleicht auch in die Frage, warum die chinesische Raumstation so termingerecht abstürzt? Vorahnungen:   In   dem   Moment,   wo   die   Luke   der   Kapsel   abgesprengt   wurde,   wusste   ich,   dass   das Ding absäuft. Warum? Weil es die dramaturgisch logische Entscheidung war. Liebe   Regisseure,   es   muß   nicht   immer   alles   dramatisch   sein.   Ich   brauch   nach   einem   Burger   nicht unbedingt noch einen zweiten und einen dritten…. Wenn   man   etwas   wunderschönes   noch   schöner   machen   will,   macht   man   es   eher   schlechter   als besser.
Gravity
Filmkritik
Herbert Haß
Gravity Zur Story: Ich    würde    nicht    soweit    gehen    Gravity    als    ein    Meisterwerk    zu bezeichnen,   jedoch   ist   die   Vermittlung   der   Atmosphäre   im   erdnahen Weltraum    geradezu    perfekt    gelungen.    Bildtechnisch    sicherlich    ein Genuß,     fällt     der     Film     insgesamt     in     die     Kategorie     „bedingt Wiederholungsfähig“. Leider kommt aber auch Gravity nicht ohne Fehler über die Runden. Was   besonders   Schade   ist,   wo   man   doch   optisch   und   akustisch   auf   fast schon pedantische Authentizität setzt. Die       Darstellung       vorbeifliegender       Trümmerteile       ist       optisch beeindruckend   und   erlebnis-fördernd   nachvollziehbar.   Allerdings   darf gesagt   sein,   dass   alles   was   es   in   90   Minuten   einmal   um   die   Erde schafft,   deutlich   schneller   als   eine   Gewehrkugel   ist.   Und   die   ist   vom menschlichen Auge definitiv nicht wahrnehmbar. Mag   man   diesen   Fehler   noch   verzeihen,   hat   er   zusätzlich   noch   einen gravierenderen Effekt. Die   Trümmer   müssten   doppelt   so   schnell   sein   wie   die   ja   ebenfalls   um die Erde kreisenden Menschen,    Stationen    und    das    Shuttle,    um    diese    innerhalb    von    90 Minuten wieder zu erreichen. Damit   wären   sie   aber   so   schnell,   dass   sich   die   Gravitation   der   Erde   und die Fliehkraft schnell fliegender Objekte nicht mehr aufheben. Das   heißt,   der   Orbit   der   Trümmer   würde   sich   erhöhen.   Und   damit wären sie außer Reichweite. Das   der   Abschuß   eines   einzelnen   Satelliten   einen   Kaskadeneffekt   auf   in der      Nähe      befindliche      Satelliten      hat      ist      leicht      übertrieben. Beschädigungen,   ja.   Aber   dass   andere   Satelliten   gleich   mit   platzen   und deren   Trümmer   dann   noch   in   die   gleiche   Richtung   fliegen,   zeitgleich wohlgemerkt, ist abwegig. Glaubwürdiger    wäre    es    gewesen,    wenn    man    mehre    Wellen    von Trümmerteilen in zeitlich abweichenden Abständen eingesetzt hätte. Zweiter   böser   Fehlschuß   war   die   Szene   an   der   ISS.   Glooney   hängt   an Bullock und Bullock am   Seil   des   Bremsfallschirms.   In   dem   Moment,   in   dem   sich   das   Seil strafft,    sollten    eigentlich    beide    einen    reversen    Bewegungsimpuls erhalten, der sie in Richtung ISS hätte treiben lassen. Das   funktioniert   sogar   unter   Normschwerkraft   hier   unten!   Auch   ein heranziehen   von   Glooney   hätte   kaum   Krafteinsatz   benötigt,   da   in   der Schwerelosigkeit   auch   gröbere   Massen   recht   einfach   zu   bewegen   sind. In   keinem   Fall   hätte   das   Seil   reißen   können.   Und   was   zur   Hölle   hat denn eigentlich an Glooney derart gezogen, dass es das Seil spannte? Diese,   den   Anforderungen   der   Dramaturgie   geopferte   Plausibilität   ist es,   die   den   tatsächlichen   Wert   solch   fantastischer   Filme   nachhaltig mindert.    Zumal    man    es    hätte    anders    machen    können.    Was    fehlt? Ideen?    Oder    liegt    es    an    der    vorherrschenden    Meinung,    dass    der Zuschauer nimmt was er kriegt und weiter nicht drüber nachdenkt? Passt   vielleicht   auch   in   die   Frage,   warum   die   chinesische   Raumstation so termingerecht abstürzt? Vorahnungen:   In   dem   Moment,   wo   die   Luke   der   Kapsel   abgesprengt wurde,    wusste    ich,    dass    das    Ding    absäuft.    Warum?    Weil    es    die dramaturgisch logische Entscheidung war. Liebe    Regisseure,    es    muß    nicht    immer    alles    dramatisch    sein.    Ich brauch   nach   einem   Burger   nicht   unbedingt   noch   einen   zweiten   und einen dritten…. Wenn   man   etwas   wunderschönes   noch   schöner   machen   will,   macht man es eher schlechter als besser.
Unterhaltung: Filmkritik
Herbert Haß