Elektromobilität Autor: Haß, 05.05.2017 Keine Abgase! Kein Motorenlärm! Das   ist   jedenfalls   das   Erste,   an   das   man   bei   Elektroautos   denken   kann.   Doch   tatsächlich   ist   es nicht nur die Art des Motors. Elektromotoren   brauchen   keine   Kühlung.   Kühler   und   Wasserkreislauf   können   komplett   entfallen. Das   Heizen   des   Innenraums   übernimmt   eine   Elektroheizung.   Die   verbraucht   Strom,   weshalb   die Reichweite   sinkt.   Bei   Verbrennungsmotoren   ist   die   Heizung   kostenlos,   da   sie   vom   Kühlwasser befeuert   wird.   Weshalb   es   auch   einige   Zeit   dauert,   bis   nach   dem   Starten   des   Motors   warme   Luft aus   den   Düsen   kommt.   Da   ist   die   Elektroheizung   wieder   deutlich   schneller.   Die   neueste   Form   der Heizung/Kühlung   erfolgt   dabei   über   Peltier-Elemente.   Salopp   gesagt,   wandeln   diese   Strom   in Wärme/Kälte   um   und   umgekehrt.   Das   bedeutet,   dass   auch   die   Klimaanlage   ohne   Flüssigkeiten auskommt. Da es keine Abgase gibt, entfällt auch die Auspuffanlage inklusive Katalysator. Da   Elektromotoren   problemlos   Drehzahlen   von   über   20.000   Umdrehungen   schaffen,   sind   auch Getriebe   und   Kupplungen,   für   Elektroautos   mit   normalen   Leistungsdaten,   überflüssig.   Anlasser, Ölpumpe,   Lichtmaschine,   Vergaser,   Einspritzanlage,   all   das,   was   bei   jedem   Bastler   die   Augen leuchten lässt, ist in einem Elektrofahrzeug nicht zu finden. Und   selbst   der   Blick   auf   den   Elektromotor   wird   zum   Suchspiel.   Haube   auf   und…,   tja,   da   ist   er   nicht bzw.   wird   er   nicht   sein!   Die   derzeitige   Zukunftsplanung   setzt   auf   Radnabenmotoren.   Womit   wir auch Antriebswellen (Kardanwellen) auf die Liste nicht benötigter Teile setzen können. Jetzt   könnte   man   meinen,   dass   Elektroautos   wahre   Leichtgewichte   sind.   Stimmt   leider   nicht,   denn die Akkumulatoren sind relativ schwer. Moderne Verbrennungsmotoren kommen mit 50 Liter Sprit gute 600 Kilometer weit. Für   die   gleiche   Reichweite   benötigen   derzeitige   Elektroautos   Akkus   mit   einem   Gewicht   von   weit über   500   Kilogramm.   Was   die   Energiedichte   pro   Kilogramm   Tankkapazität   betrifft,   reden   wir   hier von   einem   Faktor,   der   zwischen   12   und   14   liegt.   Derzeit   jedenfalls.   Sowohl   die   Akkuleistung,   als auch der Wirkungsgrad der Elektromotoren werden sich noch verbessern lassen. Dringend   nötig   ist   dies   auch   für   die   Ladezeiten,   die   derzeit   bei   30   Minuten,   für   eine   Aufladung   auf ca. 80 Prozent Kapazität, liegt. Zum   Vergleich,   für   das   Volltanken   eines   Benzintanks   können   wir   mit   2   bis   3   Minuten   rechnen.   Das bedeutet,   jedes   Auto   belegt   eine   Zapfsäule   für   etwa   4   Minuten,   was   den   reinen   Tankvorgang betrifft. Hinzurechnen muss man die Zeit für das Bezahlen der Rechnung. Einmal Tanken braucht also zwischen 6 und 8 Minuten Zeit. Hat   eine   Tankstelle   vier   Zapfsäulen   bedeutet   dies,   dass   pro   Stunde   28   Kunden   bedient   werden können. Im   Fall   von   Elektroautos   wären   es   hingegen   nur   8.   Und   das   auch   nur,   wenn   niemand   wirklich volltankt. Das   heißt,   dass   die   Tankstellen   der   Zukunft   mindestens   die   vierfache   Anzahl   an   Ladestationen brauchen.   Zusätzlich   aber   auch   Bistro   Kapazitäten   für   die   Besitzer   der   Fahrzeuge   und   deren Insassen,   die   ja   30   Minuten   warten   müssen.   Tanken   bzw.   Aufladen   (Chargen)   wird   somit   zu   etwas, was man nicht mehr so eben nebenbei macht. Möchte   jemand   kalkulieren,   wie   die   Geschichte   aussieht,   wenn   zu   Urlaubszeiten   Zehntausende   von Elektroautos    auf    Fernreise    gehen?    Wollen    wir    darüber    nachdenken,    welche    Kapazitäten    die Raststätten an den Autobahnen in dem Fall brauchen? Wie      gesagt,      jeder      “Tankvorgang“      dauert      mindestens      8      Mal      so      lange,      wie      bei Verbrennungsmotoren. Ein   hohes   Aufkommen,   wie   eben   zu   Urlaubszeiten,   ist   nur   zu   schaffen,   wenn   praktisch   jeder Parkplatz   der   Raststätte   über   eine   Ladestation   verfügt.   Bezahlen   könnte   man   in   dem   Fall   mittels Kreditkarte.    Oder    über    die    Identifikationsnummer    des    Fahrzeugs,    die    bei    Anstecken    des Ladekabels   übermittelt   werden   kann.   Was   bedeuten   würde,   dass   man   sich   um   den   eigentlichen Vorgang des Bezahlens gar nicht mehr kümmern müsste.  In   Städten   wird   es   für   die   Tankstellen   noch   ungünstiger   aussehen.   Denn   jeder,   der   sein   Auto   im direkten   Umfeld   seiner   Wohnung   parken   kann,   kann   den   Akku   über   den   Hausanschluss   laden. Speziell in ländlichen Gegenden werden Tankstellen zu einer Rarität werden. Dafür könnten öffentliche Parkplätze statt mit Parkuhren mit Ladestationen ausgestattet sein. Wo   wir   von   Rarität   sprechen,   fallen   mir   Autowerkstätten   ein.   Ölwechsel?   Luftfilter?   Wie   viel Wartung   braucht   ein   Elektroauto   noch?   Fragen   wir   doch   einmal   die   Bremsen.   Bei   jedem   normalen Bremsmanöver   sind   nicht   die   Bremsen,   sondern   der   Motor   gefragt.   Denn   der   wird   vom   Motor   zum Generator,   der   Energie   erzeugt.   So   wie   ein   Windrad.   Nur,   dass   er   nicht   durch   Wind   angetrieben wird, sondern durch das Bewegungsmoment des Fahrzeugs. Das   heißt,   dass   das   Bremsen   Strom   erzeugt.   Bei   Autos   mit   einem   Verbrennungsmotor   entsteht lediglich   Wärme,   die   ungenutzt   an   die   Luft   abgegeben   wird,   und   jede   Menge   Bremsstaub.   Und   der verschmutzt   nicht   nur   die   Felgen.   Der   Feinstaub,   den   unsere   heutigen   Autos   erzeugen,   kommt nicht   nur   aus   dem   Auspuff,   sondern   eben   auch   von   den   Bremsen   und   von   den   Reifen.   Gegen Abgase    kann    man    mittels    Normen    (Euronorm)    vorgehen,    aber    wie    soll    man    das    Bremsen verbieten? Wie war das noch beim Elektroauto? Bremsen erfolgt mehrheitlich durch den Motor? Müssten   die   Bremsbeläge   dann   nicht   ewig   halten?   Das   hängt   von   der   Fahrweise   ab.   Je   härter   der Fahrer   bremst,   desto   mehr   müssen,   zusätzlich   zum   Motor,   die   Bremsen   aktiv   werden.   Deshalb kann   es   hier   keine   genaue   Aussage   geben.   Die   Bremsen   können   doppelt   so   lange   halten,   aber auch mehr als fünfmal so lange. Was   man   mit   Sicherheit   sagen   kann,   ist,   dass   die   Wartungsarbeiten   am   Elektroauto   so   gering   sind, dass   die   Werkstätten   mit   deren   Wartung   praktisch   kein   Geld   mehr   verdienen   können.   Schließlich gibt   es   kaum   noch   Verbrauchsteile.   Öl,   Luftfilter,   Zündkerzen,   Kühlflüssigkeit   für   Klimaanlage, nichts davon ist im Elektroauto zu finden. Was bleibt, sind die Reifen, so alle drei bis vier Jahre. Ist damit der Beruf des Automechanikers (Mechatroniker) zum Aussterben verdammt? Riskieren   wir   einen   Blick   in   die   Vergangenheit.   Wie   viele   Mühlen   gab   es?   Und   wie   verbreitet   war der   Beruf   des   Müllers?   Und   heute?   Es   gibt   noch   Müller.   Aber   nicht   mehr   viele.   Ähnlich   wird   es   den Automechanikern gehen. Es wird sie noch geben. Aber ihre Zahl wird dramatisch sinken. Es   wird   auch   keine   herstellerbezogenen   Werkstätten   mehr   geben.   Stattdessen   wird   es   vielleicht eine   Tendenz   zu   Serviceanbietern   geben,   die   sich   auf   Teilaspekte   von   Fahrzeugen   spezialisieren. Carglass   kann   man   hier   praktisch   als   Vorreiter   sehen.   Reifenanbieter   werden   auch   zu   denjenigen gehören,   denen   der   Wandel   vom   Verbrennungsmotor   zum   Elektromotor   keine   Schwierigkeiten bereiten wird. Mit   deutlichen   Mindereinnahmen   darf   hingegen   der   TÜV   rechnen.   Denn   Abgasuntersuchungen werden zum Anachronismus werden. Derzeit   gilt   die   Reichweite   von   Elektroautos   als   maßgebliches   Thema.   Und   die   Akzeptanz   der Autofahrer   steht   im   Fokus.   Hier   geht   es   um   die   Frage,   wie   man   die   Autofahrer   dazu   bewegen kann,   sich   an   die   Eigenheiten   des   Elektroautos   zu   gewöhnen.   Gemeint   sind   die   relativ   geringe Reichweite und der erhöhte Zeitbedarf für das Laden der Akkus. Doch   was   ist,   wenn   sich   die   Autofahrer   daran   gewöhnen?   Wenn   die   Mehrzahl   der   Autofahrer beginnt, Elektroautos zu kaufen? Was bedeutet dies für die Wirtschaft? Diese bekommt gewaltige Probleme! Wenn   die   Hersteller   damit   beginnen,   die   Produktion   auf   Elektrofahrzeuge   umzustellen,   dann   wird dies   dramatische   Folgen   für   die   Zulieferindustrie   haben.   Es   wird   die   Hersteller   betreffen,   die   Teile produzieren, die von Elektrofahrzeugen nicht mehr benötigt werden. Die   Industrie   der   Akkuhersteller   wird   hingegen   boomen.   Wenn   man   bedenkt,   dass   derzeit   (2017) in    Deutschland    45    Millionen    PKWs    zugelassen    sind,    kann    man    ausrechnen,    um    wie    viele Stückzahlen   die   Nachfrage   nach   Akkus   steigen   wird,   wenn   nur   noch   Elektrofahrzeuge   produziert werden.   Und   dieser   Anstieg   der   Nachfrage   wird   zu   einem   schwer   lösbaren   Problem   führen.   Es   geht um   Lithium.   Ein   Metall,   das   den   derzeitigen   Standard   der   Akkutechnologie   bestimmt.   Lithium   ist ein   nicht   nachwachsender   Rohstoff,   der   zu   den   seltenen   Erden   gehört   und   auf   der   Erde   nur   in wenigen   Regionen   zu   finden   ist.   Wenn   der   weltweite   Lithiumbedarf   um   einen   mehrmillionenfachen Faktor   steigt,   ist   es   nur   eine   Frage   der   Zeit,   bis   Lithium   nicht   mehr   ausreichend   zur   Verfügung steht. Dann   muss   man   ihn   auf   Asteroiden   abbauen,   was   zwar   absolut   möglich   ist,   aber   auch   extrem teuer   sein   wird.   Vielleicht   wird   das   Lithium-Problem   aber   auch   zu   völlig   neuen   Ansätzen   in   der Akkutechnologie führen, wie erste Ansätze mit Zink-Mangan es bereits zeigen. Die Abkehr vom Verbrennungsmotor wird die Wirtschaft gewissermaßen auf den Kopf stellen. Und   je   schneller   der   Verbraucher   die   Nachfrage   ankurbelt,   desto   größer   werden   die   Kopfschmerzen sein,   die   die   Industrie   bekommt.   Aber   auch   der   Staat   wird   mit   dabei   sein.   Denn,   wenn   der Treibstoffverbrauch   drastisch   einbricht,   dann   trifft   dies   auch   die   Steuereinahmen   im   Bereich   der Mineralölsteuer. Fragt sich, was die Ölkonzerne vom Elektroauto halten. Aber   diejenigen,   die   sich   die   Hände   reiben   werden,   werden   die      sein,   die   zu   den   Energieerzeugern gehören.   Denn,   wenn   45   Millionen   Autos   (LKWs   inklusive)   über   700   Milliarden   Kilometer   pro   Jahr mit Strom fahren, dann reden wir hier von 160 – 200 Terawattstunden an Energie. Das ist in etwa ein Drittel mehr, als Deutschland derzeit pro Jahr produziert. Das   ließe   sich   lösen,   wenn   man   5   Mal   mehr   Windräder   aufstellt,   als   man   derzeit   (2017)   am   Netz hat, in der Hoffnung, dass immer genug Wind weht. Was   LKWs   betrifft,   die   haben   mit   dem   Problem   der   Ladezeiten   weniger   Probleme,   denn   für   deren Fahrer   sind   maximale   Lenkzeiten   vorgeschrieben.   Das   heißt,   dass   die   Zwangspause   zum   Laden genutzt werden kann. Ein recht unangenehmes Problem besteht jedoch, wenn einem der Strom ausgeht. Heute   (Verbrennungsmotor)   lässt   sich   das   mit   einem   Reservekanister   lösten.   Das   reicht   dann   bis zur nächsten Tankstelle. Aber   Elektroautos?   Wer   schleppt   denn   schon   einen   50   Kilo   Akku   mit   sich   herum,   um   einem liegengebliebenen   E-Auto   Strom   für   die   nächsten   10   –   20   Kilometer   zur   nächsten   Ladestation   zu spendieren?     E-Autos     sollten     daher     über     die     Möglichkeit     verfügen,     gegenseitig     Strom auszutauschen.   Das   also   das   Auto   mit   dem   vollen   Akku,   dem   mit   dem   leeren   Akku,   etwas   Strom abgeben kann. Manchmal   sind   es   gerade   die   Kleinigkeiten,   die   das   Gefühl   von   Sicherheit   stärken   und   damit   die Akzeptanz für etwas Neues erhöhen können. Das   Elektroauto   ist   die   Zukunft.   Auch,   wenn   sich   viele   Menschen   das   heute   noch   nicht   vorstellen können,   wird   das   Elektroauto   den   Verbrennungsmotor   ablösen.   Und   wer   heute   20   Jahre   alt   ist, wird   sich   im   Alter   von   60   Jahren   daran   erinnern,   dass   es   früher   einmal   Autos   gab,   die   einen Auspuff hatten, aus dem übel riechende Abgase kamen. Ich   hingegen,   mit   meiner   noch   möglichen   Lebenserwartung   von   30   Jahren,   werde   es   noch   erleben, dass es Elektroautos gibt, die eine Reichweite von mehr als 1000 Kilometer haben. Und,   in   spätestens   10   Jahren   fahre   ich   rein   elektrisch.   Das   ist   gleichermaßen   eine   Prophezeiung wie ein Versprechen, das ich nur breche, wenn meine Finanzen maximal dagegen sprechen. Die Einschränkung mache ich, weil ich nie etwas verspreche, was ich nicht halten kann. Und ja, ich schiele bereits mit beiden Augen und hoher Begehrlichkeit auf Elektroautos. Fazit: Der   Umstieg   auf   Elektroautos   und   auf   autonomes   Fahren   bedeutet   für   den   Verbraucher   den Umstieg     auf     eine     neue     Art     der     Mobilität.     Eine     modernere     Art,     die     das     Autofahren umweltfreundlicher,   sicherer   und   bequemer   machen   wird.   Und   auch   abwechslungsreicher,   da   ja der Fahrer entscheidet, ob er oder der Autopilot fährt. Was   für   den   Verbraucher   lediglich   die   Gewöhnung   an   etwas   Neues   bedeutet,   wird   der   Wirtschaft Veränderungen   präsentieren,   die   in   ihrem   vollen   Umfang   heute   noch   nicht   abgesehen   werden können. Sicher ist nur, dass es ganze Berufsgruppen treffen wird. Erinnert sich noch jemand daran, dass es früher den Beruf des Tankwarts gab? Kann man sich vorstellen, dass es in 20 bis 30 Jahren in Amerika keinen Trucker mehr geben wird? Kann man sich vorstellen, was ein Trucker sagen würde, wenn man ihm das prophezeit? Nicht   nur   das   Klima   dieses   Planeten   verändert   sich.   Auch   die   Gesellschaft,   die   Industrie   und   die Berufe   blicken   deutlichen   Veränderungen   entgegen.   Je   früher   man   sie   sieht,   desto   besser   kann man sich darauf vorbereiten.
Auto
Herbert Haß
Elektromobilität und autonomes Fahren Autor: Haß, 05.05.2017 Keine Abgase! Kein Motorenlärm! Das   ist   jedenfalls   das   Erste,   an   das   man   bei   Elektroautos   denken   kann. Doch tatsächlich ist es nicht nur die Art des Motors. Elektromotoren   brauchen   keine   Kühlung.   Kühler   und   Wasserkreislauf können   komplett   entfallen.   Das   Heizen   des   Innenraums   übernimmt   eine Elektroheizung.   Die   verbraucht   Strom,   weshalb   die   Reichweite   sinkt.   Bei Verbrennungsmotoren   ist   die   Heizung   kostenlos,   da   sie   vom   Kühlwasser befeuert   wird.   Weshalb   es   auch   einige   Zeit   dauert,   bis   nach   dem   Starten des   Motors   warme   Luft   aus   den   Düsen   kommt.   Da   ist   die   Elektroheizung wieder   deutlich   schneller.   Die   neueste   Form   der   Heizung/Kühlung   erfolgt dabei   über   Peltier-Elemente.   Salopp   gesagt,   wandeln   diese   Strom   in Wärme/Kälte    um    und    umgekehrt.    Das    bedeutet,    dass    auch    die Klimaanlage ohne Flüssigkeiten auskommt. Da    es    keine    Abgase    gibt,    entfällt    auch    die    Auspuffanlage    inklusive Katalysator. Da      Elektromotoren      problemlos      Drehzahlen      von      über      20.000 Umdrehungen    schaffen,    sind    auch    Getriebe    und    Kupplungen,    für Elektroautos     mit     normalen     Leistungsdaten,     überflüssig.     Anlasser, Ölpumpe,    Lichtmaschine,    Vergaser,    Einspritzanlage,    all    das,    was    bei jedem   Bastler   die   Augen   leuchten   lässt,   ist   in   einem   Elektrofahrzeug nicht zu finden. Und   selbst   der   Blick   auf   den   Elektromotor   wird   zum   Suchspiel.   Haube auf   und…,   tja,   da   ist   er   nicht   bzw.   wird   er   nicht   sein!   Die   derzeitige Zukunftsplanung     setzt     auf     Radnabenmotoren.     Womit     wir     auch Antriebswellen   (Kardanwellen)   auf   die   Liste   nicht   benötigter   Teile   setzen können. Jetzt   könnte   man   meinen,   dass   Elektroautos   wahre   Leichtgewichte   sind. Stimmt leider nicht, denn die Akkumulatoren sind relativ schwer. Moderne   Verbrennungsmotoren   kommen   mit   50   Liter   Sprit   gute   600 Kilometer weit. Für   die   gleiche   Reichweite   benötigen   derzeitige   Elektroautos   Akkus   mit einem   Gewicht   von   weit   über   500   Kilogramm.   Was   die   Energiedichte   pro Kilogramm   Tankkapazität   betrifft,   reden   wir   hier   von   einem   Faktor,   der zwischen   12   und   14   liegt.   Derzeit   jedenfalls.   Sowohl   die   Akkuleistung, als    auch    der    Wirkungsgrad    der    Elektromotoren    werden    sich    noch verbessern lassen. Dringend   nötig   ist   dies   auch   für   die   Ladezeiten,   die   derzeit   bei   30 Minuten, für eine Aufladung auf ca. 80 Prozent Kapazität, liegt. Zum   Vergleich,   für   das   Volltanken   eines   Benzintanks   können   wir   mit   2 bis   3   Minuten   rechnen.   Das   bedeutet,   jedes   Auto   belegt   eine   Zapfsäule für   etwa   4   Minuten,   was   den   reinen   Tankvorgang   betrifft.   Hinzurechnen muss man die Zeit für das Bezahlen der Rechnung. Einmal Tanken braucht also zwischen 6 und 8 Minuten Zeit. Hat   eine   Tankstelle   vier   Zapfsäulen   bedeutet   dies,   dass   pro   Stunde   28 Kunden bedient werden können. Im   Fall   von   Elektroautos   wären   es   hingegen   nur   8.   Und   das   auch   nur, wenn niemand wirklich volltankt. Das   heißt,   dass   die   Tankstellen   der   Zukunft   mindestens   die   vierfache Anzahl     an     Ladestationen     brauchen.     Zusätzlich     aber     auch     Bistro Kapazitäten   für   die   Besitzer   der   Fahrzeuge   und   deren   Insassen,   die   ja 30   Minuten   warten   müssen.   Tanken   bzw.   Aufladen   (Chargen)   wird   somit zu etwas, was man nicht mehr so eben nebenbei macht. Möchte    jemand    kalkulieren,    wie    die    Geschichte    aussieht,    wenn    zu Urlaubszeiten    Zehntausende    von    Elektroautos    auf    Fernreise    gehen? Wollen   wir   darüber   nachdenken,   welche   Kapazitäten   die   Raststätten   an den Autobahnen in dem Fall brauchen? Wie   gesagt,   jeder   “Tankvorgang“   dauert   mindestens   8   Mal   so   lange,   wie bei Verbrennungsmotoren. Ein   hohes   Aufkommen,   wie   eben   zu   Urlaubszeiten,   ist   nur   zu   schaffen, wenn   praktisch   jeder   Parkplatz   der   Raststätte   über   eine   Ladestation verfügt.   Bezahlen   könnte   man   in   dem   Fall   mittels   Kreditkarte.   Oder   über die    Identifikationsnummer    des    Fahrzeugs,    die    bei    Anstecken    des Ladekabels   übermittelt   werden   kann.   Was   bedeuten   würde,   dass   man sich    um    den    eigentlichen    Vorgang    des    Bezahlens    gar    nicht    mehr kümmern müsste.  In   Städten   wird   es   für   die   Tankstellen   noch   ungünstiger   aussehen.   Denn jeder,   der   sein   Auto   im   direkten   Umfeld   seiner   Wohnung   parken   kann, kann   den   Akku   über   den   Hausanschluss   laden.   Speziell   in   ländlichen Gegenden werden Tankstellen zu einer Rarität werden. Dafür     könnten     öffentliche     Parkplätze     statt     mit     Parkuhren     mit Ladestationen ausgestattet sein. Wo   wir   von   Rarität   sprechen,   fallen   mir   Autowerkstätten   ein.   Ölwechsel? Luftfilter?   Wie   viel   Wartung   braucht   ein   Elektroauto   noch?   Fragen   wir doch   einmal   die   Bremsen.   Bei   jedem   normalen   Bremsmanöver   sind   nicht die   Bremsen,   sondern   der   Motor   gefragt.   Denn   der   wird   vom   Motor   zum Generator,   der   Energie   erzeugt.   So   wie   ein   Windrad.   Nur,   dass   er   nicht durch   Wind   angetrieben   wird,   sondern   durch   das   Bewegungsmoment des Fahrzeugs. Das    heißt,    dass    das    Bremsen    Strom    erzeugt.    Bei    Autos    mit    einem Verbrennungsmotor   entsteht   lediglich   Wärme,   die   ungenutzt   an   die   Luft abgegeben   wird,   und   jede   Menge   Bremsstaub.   Und   der   verschmutzt nicht    nur    die    Felgen.    Der    Feinstaub,    den    unsere    heutigen    Autos erzeugen,   kommt   nicht   nur   aus   dem   Auspuff,   sondern   eben   auch   von den   Bremsen   und   von   den   Reifen.   Gegen   Abgase   kann   man   mittels Normen    (Euronorm)    vorgehen,    aber    wie    soll    man    das    Bremsen verbieten? Wie   war   das   noch   beim   Elektroauto?   Bremsen   erfolgt   mehrheitlich   durch den Motor? Müssten   die   Bremsbeläge   dann   nicht   ewig   halten?   Das   hängt   von   der Fahrweise    ab.    Je    härter    der    Fahrer    bremst,    desto    mehr    müssen, zusätzlich   zum   Motor,   die   Bremsen   aktiv   werden.   Deshalb   kann   es   hier keine   genaue   Aussage   geben.   Die   Bremsen   können   doppelt   so   lange halten, aber auch mehr als fünfmal so lange. Was   man   mit   Sicherheit   sagen   kann,   ist,   dass   die   Wartungsarbeiten   am Elektroauto   so   gering   sind,   dass   die   Werkstätten   mit   deren   Wartung praktisch   kein   Geld   mehr   verdienen   können.   Schließlich   gibt   es   kaum noch    Verbrauchsteile.    Öl,    Luftfilter,    Zündkerzen,    Kühlflüssigkeit    für Klimaanlage,   nichts   davon   ist   im   Elektroauto   zu   finden.   Was   bleibt,   sind die Reifen, so alle drei bis vier Jahre. Ist     damit     der     Beruf     des     Automechanikers     (Mechatroniker)     zum Aussterben verdammt? Riskieren   wir   einen   Blick   in   die   Vergangenheit.   Wie   viele   Mühlen   gab   es? Und   wie   verbreitet   war   der   Beruf   des   Müllers?   Und   heute?   Es   gibt   noch Müller.   Aber   nicht   mehr   viele.   Ähnlich   wird   es   den   Automechanikern gehen. Es wird sie noch geben. Aber ihre Zahl wird dramatisch sinken. Es    wird    auch    keine    herstellerbezogenen    Werkstätten    mehr    geben. Stattdessen   wird   es   vielleicht   eine   Tendenz   zu   Serviceanbietern   geben, die   sich   auf   Teilaspekte   von   Fahrzeugen   spezialisieren.   Carglass   kann man   hier   praktisch   als   Vorreiter   sehen.   Reifenanbieter   werden   auch   zu denjenigen   gehören,   denen   der   Wandel   vom   Verbrennungsmotor   zum Elektromotor keine Schwierigkeiten bereiten wird. Mit   deutlichen   Mindereinnahmen   darf   hingegen   der   TÜV   rechnen.   Denn Abgasuntersuchungen werden zum Anachronismus werden. Derzeit   gilt   die   Reichweite   von   Elektroautos   als   maßgebliches   Thema. Und   die   Akzeptanz   der   Autofahrer   steht   im   Fokus.   Hier   geht   es   um   die Frage,    wie    man    die    Autofahrer    dazu    bewegen    kann,    sich    an    die Eigenheiten   des   Elektroautos   zu   gewöhnen.   Gemeint   sind   die   relativ geringe Reichweite und der erhöhte Zeitbedarf für das Laden der Akkus. Doch   was   ist,   wenn   sich   die   Autofahrer   daran   gewöhnen?   Wenn   die Mehrzahl   der   Autofahrer   beginnt,   Elektroautos   zu   kaufen?   Was   bedeutet dies für die Wirtschaft? Diese bekommt gewaltige Probleme! Wenn      die      Hersteller      damit      beginnen,      die      Produktion      auf Elektrofahrzeuge   umzustellen,   dann   wird   dies   dramatische   Folgen   für   die Zulieferindustrie    haben.    Es    wird    die    Hersteller    betreffen,    die    Teile produzieren, die von Elektrofahrzeugen nicht mehr benötigt werden. Die   Industrie   der   Akkuhersteller   wird   hingegen   boomen.   Wenn   man bedenkt,    dass    derzeit    (2017)    in    Deutschland    45    Millionen    PKWs zugelassen   sind,   kann   man   ausrechnen,   um   wie   viele   Stückzahlen   die Nachfrage   nach   Akkus   steigen   wird,   wenn   nur   noch   Elektrofahrzeuge produziert   werden.   Und   dieser   Anstieg   der   Nachfrage   wird   zu   einem schwer   lösbaren   Problem   führen.   Es   geht   um   Lithium.   Ein   Metall,   das den   derzeitigen   Standard   der   Akkutechnologie   bestimmt.   Lithium   ist   ein nicht   nachwachsender   Rohstoff,   der   zu   den   seltenen   Erden   gehört   und auf   der   Erde   nur   in   wenigen   Regionen   zu   finden   ist.   Wenn   der   weltweite Lithiumbedarf   um   einen   mehrmillionenfachen   Faktor   steigt,   ist   es   nur eine   Frage   der   Zeit,   bis   Lithium   nicht   mehr   ausreichend   zur   Verfügung steht. Dann   muss   man   ihn   auf   Asteroiden   abbauen,   was   zwar   absolut   möglich ist,    aber    auch    extrem    teuer    sein    wird.    Vielleicht    wird    das    Lithium- Problem   aber   auch   zu   völlig   neuen   Ansätzen   in   der   Akkutechnologie führen, wie erste Ansätze mit Zink-Mangan es bereits zeigen. Die   Abkehr   vom   Verbrennungsmotor   wird   die   Wirtschaft   gewissermaßen auf den Kopf stellen. Und   je   schneller   der   Verbraucher   die   Nachfrage   ankurbelt,   desto   größer werden   die   Kopfschmerzen   sein,   die   die   Industrie   bekommt.   Aber   auch der    Staat    wird    mit    dabei    sein.    Denn,    wenn    der    Treibstoffverbrauch drastisch   einbricht,   dann   trifft   dies   auch   die   Steuereinahmen   im   Bereich der   Mineralölsteuer.   Fragt   sich,   was   die   Ölkonzerne   vom   Elektroauto halten. Aber   diejenigen,   die   sich   die   Hände   reiben   werden,   werden   die      sein,   die zu    den    Energieerzeugern    gehören.    Denn,    wenn    45    Millionen    Autos (LKWs    inklusive)    über    700    Milliarden    Kilometer    pro    Jahr    mit    Strom fahren, dann reden wir hier von 160 – 200 Terawattstunden an Energie. Das    ist    in    etwa    ein    Drittel    mehr,    als    Deutschland    derzeit    pro    Jahr produziert. Das   ließe   sich   lösen,   wenn   man   5   Mal   mehr   Windräder   aufstellt,   als   man derzeit   (2017)   am   Netz   hat,   in   der   Hoffnung,   dass   immer   genug   Wind weht. Was   LKWs   betrifft,   die   haben   mit   dem   Problem   der   Ladezeiten   weniger Probleme,     denn     für     deren     Fahrer     sind     maximale     Lenkzeiten vorgeschrieben.   Das   heißt,   dass   die   Zwangspause   zum   Laden   genutzt werden kann. Ein    recht    unangenehmes    Problem    besteht    jedoch,    wenn    einem    der Strom ausgeht. Heute   (Verbrennungsmotor)   lässt   sich   das   mit   einem   Reservekanister lösten. Das reicht dann bis zur nächsten Tankstelle. Aber   Elektroautos?   Wer   schleppt   denn   schon   einen   50   Kilo   Akku   mit   sich herum,   um   einem   liegengebliebenen   E-Auto   Strom   für   die   nächsten   10   20   Kilometer   zur   nächsten   Ladestation   zu   spendieren?   E-Autos   sollten daher   über   die   Möglichkeit   verfügen,   gegenseitig   Strom   auszutauschen. Das   also   das   Auto   mit   dem   vollen   Akku,   dem   mit   dem   leeren   Akku, etwas Strom abgeben kann. Manchmal    sind    es    gerade    die    Kleinigkeiten,    die    das    Gefühl    von Sicherheit   stärken   und   damit   die   Akzeptanz   für   etwas   Neues   erhöhen können. Das   Elektroauto   ist   die   Zukunft.   Auch,   wenn   sich   viele   Menschen   das heute     noch     nicht     vorstellen     können,     wird     das     Elektroauto     den Verbrennungsmotor   ablösen.   Und   wer   heute   20   Jahre   alt   ist,   wird   sich im   Alter   von   60   Jahren   daran   erinnern,   dass   es   früher   einmal   Autos   gab, die einen Auspuff hatten, aus dem übel riechende Abgase kamen. Ich    hingegen,    mit    meiner    noch    möglichen    Lebenserwartung    von    30 Jahren,   werde   es   noch   erleben,   dass   es   Elektroautos   gibt,   die   eine Reichweite von mehr als 1000 Kilometer haben. Und,    in    spätestens    10    Jahren    fahre    ich    rein    elektrisch.    Das    ist gleichermaßen    eine    Prophezeiung    wie    ein    Versprechen,    das    ich    nur breche, wenn meine Finanzen maximal dagegen sprechen. Die   Einschränkung   mache   ich,   weil   ich   nie   etwas   verspreche,   was   ich nicht halten kann. Und   ja,   ich   schiele   bereits   mit   beiden   Augen   und   hoher   Begehrlichkeit auf Elektroautos. Fazit: Der   Umstieg   auf   Elektroautos   und   auf   autonomes   Fahren   bedeutet   für den   Verbraucher   den   Umstieg   auf   eine   neue   Art   der   Mobilität.   Eine modernere   Art,   die   das   Autofahren   umweltfreundlicher,   sicherer   und bequemer    machen    wird.    Und    auch    abwechslungsreicher,    da    ja    der Fahrer entscheidet, ob er oder der Autopilot fährt. Was    für    den    Verbraucher    lediglich    die    Gewöhnung    an    etwas    Neues bedeutet,   wird   der   Wirtschaft   Veränderungen   präsentieren,   die   in   ihrem vollen Umfang heute noch nicht abgesehen werden können. Sicher ist nur, dass es ganze Berufsgruppen treffen wird. Erinnert    sich    noch    jemand    daran,    dass    es    früher    den    Beruf    des Tankwarts gab? Kann   man   sich   vorstellen,   dass   es   in   20   bis   30   Jahren   in   Amerika   keinen Trucker mehr geben wird? Kann   man   sich   vorstellen,   was   ein   Trucker   sagen   würde,   wenn   man   ihm das prophezeit? Nicht    nur    das    Klima    dieses    Planeten    verändert    sich.    Auch    die Gesellschaft,     die     Industrie     und     die     Berufe     blicken     deutlichen Veränderungen   entgegen.   Je   früher   man   sie   sieht,   desto   besser   kann man sich darauf vorbereiten.
Wissenschaft: Auto
Herbert Haß