Klimawandel Autor: Haß, 16.11.2017 Warum wir es nicht schaffen und warum wir uns einreden werden, es geschafft zu haben. Es   wird   nicht   mehr   lange   dauern,   dann   werde   ich   an   einem   schönen   Januartag   an   einem   See liegen   und   nur   mit   Badehose   bekleidet   die   Sonne   genießen.   Und   zwar   mehrere   Stunden   lang, ohne zu frieren. 2017 war ein recht heißer Sommer. Aber das Unangenehmste war nicht die Hitze. Sondern die Luftfeuchtigkeit. Wir kennen das aus der Sauna. 70 Grad mit hoher Luftfeuchtigkeit können heißer sein als 90 Grad staubtrockene Luft. Die    Veränderungen    von    Sommer    und    Winter    in    Richtung    höherer    Temperatur    sind    2015 sprunghaft angestiegen. Der   Sprung   war   nicht   besonders   hoch.   Hat   aber   gereicht,   dass   die   Berge   bis   über   2500   Meter Höhe hinaus weitgehend schneefrei blieben. Wann der nächste Sprung dieser Qualität stattfindet, ist nicht voraussehbar. Nicht   voraussehbar   war   auch   die   Tatsache,   dass   in   der   Karibik   gleich   mehrere   schwere   Hurrikans hintereinander tobten. Dass   dann   noch   einer   davon   Richtung   Nordatlantik   bis   hin   nach   Island   zog,   war   etwas,   was Meteorologen    fassungslos    machte.    In    etwa    der    gleichen    Zeit    gab    es    die    Internationale Automobilausstellung. Neben    der    Ankündigung,    dass    man    demnächst,    irgendwann,    aber    bestimmt    ganz    bald,    die Elektromobilität    fördern    will,    standen    dort    die    üblichen    Verkaufsschlager.    SUV’s    mit    hohem Gewicht und hohem Spritverbrauch und nicht wirklich optimiertem Schadstoffausstoß. Aktuellster   Stand   der   Mobilitätsplanung   sieht   Reduzierung   schädlicher   Abgase   vor,   die   in   einem, für die Automobilindustrie moderatem Ausmaß, auf die nächsten Jahrzehnte verteilt sind. Hier ist jetzt der Moment, wo wir folgende Frage stellen können. Was ist wichtiger? Die Aufrechterhaltung der Gewinnmaximierung? Denn um nichts anderes geht es hier. Oder die größtmögliche Begrenzung des Klimawandels? Wir   dürfen   davon   ausgehen,   dass   führende   Manager   der   Meinung   anhängen,   dass   man   schon   bald Technologien   haben   wird,   um   so   viel   Kohlendioxid   aus   der   Atmosphäre   zu   entfernen,   wie   eben nötig ist. Was diesen Managern wohl eher nicht bewusst ist, ist die Komplexität des Organismus Erde. Das   Klima   der   Erde   ist   derart   kompliziert   aufgebaut,   dass   auch   führende   Klimaforscher   es   nicht   im Detail erklären können. Einfach weil es zu viele Faktoren gibt, die auf zu vielen Wegen miteinander interagieren. Das   Klima   ist   zudem   ein   prinzipiell   chaotisches   System   und   gleichzeitig   so   ausgerichtet,   dass   es selbstregulierend ist. Wir   dürfen   davon   ausgehen,   dass   jeder   menschliche   Einfluss   ein   künstlicher   Einfluss   ist,   der   die Selbstregulierung eher stört als unterstützt. Vielleicht wird es in 100 Jahren anders sein. Aber   derzeit   sind   wir   von   Kindern,   die   an   etwas   herumspielen,   was   sie   nicht   verstehen,   kaum   zu unterscheiden. Was   uns   davon   abhält,   die   Sache   mit   dem   Klimawandel   ernst   zu   nehmen,   ist   die   Gier,   die   uns dazu treibt, unseren Lebensstandard auf keinen Fall zu gefährden. Wir Menschen sind Sammler. Wir geben grundsätzlich nichts freiwillig her, was wir besitzen. So   lange   uns   schnelle   Autos   wichtiger   sind   als   eine   saubere   Umwelt,   werden   wir   den   Klimawandel nicht in der notwendigen Weise ernst nehmen. Und nein, auch ich fahre noch kein Elektroauto. Ich    fahre    einen    Euro    5    Diesel.    Einfach,    weil    er    damals,    als    ich    ihn    gekauft    habe,    als umweltfreundlich galt. Ich   werde   ihn   jetzt   auch   nicht   verkaufen,   um   einen   Benziner   zu   kaufen,   der   3   Liter   pro   100 Kilometer mehr braucht. Denn unterm Strich würde ich dann mehr CO2 produzieren als jetzt. Sicherlich produziert der Individualverkehr viel CO2. Aber werfen wir doch mal einen Blick auf die Meere. Dort fahren alleine mehr als 40.000 Handelsschiffe. Alle   mit   Schwerölmotoren   ausgerüstet,   die   richtig   viel   CO2   und   NOX   produzieren.   Nehmen   wir noch   alle   Passagierschiffe,   alle   Kriegsschiffe   und   alle   privaten   Schiffe   hinzu,   haben   wir   weit   mehr CO2, als wir deutschen Autofahrer überhaupt produzieren können. Das ist bei weitem nicht alles. Blicken wir noch auf sämtliche ölbetriebenen Heizungen dieser Welt. Und zusätzlich noch auf alle Öl- und Kohlekraftwerke. Und   dann   noch   auf   die   Landwirtschaft   und   die   Massentierhaltung,   wo   relevante   Mengen   an Methan anfallen. Das Pariser Abkommen verlangt eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 2 Grad. Ohne zu sagen, was die 2 Grad mehr an weltweiter Durchschnittstemperatur bedeuten. Nur   zur   Erinnerung,   seit   Beginn   der   Klimaerwärmung   spricht   man   von   einer   Erhöhung   von   0,6 Grad. Diese   0,6   Grad   haben   dazu   geführt,   dass   Schnee   in   Deutschland   fast   schon   zu   einer   Rarität geworden ist. Diese   0,6   Grad   haben   dazu   geführt,   dass   in   Ländern,   die   zwischen   dem   20.   und   30.   Breitengrad liegen, seit einigen Jahren Temperaturen von bis über 50 Grad gemessen werden. Sie haben zu einer weltweiten Gletscherschmelze geführt. Nicht nur in Hochgebirgen, sondern auch in der Antarktis und auf Grönland. Die Arktis ist zeitweise eisfrei. Wie   die   Angelegenheit   aussehen   wird,   wenn   jetzt   noch   1,4   Grad   Erderwärmung   hinzukommen, das kann niemand voraussagen. Aber   es   wäre   nicht   unrealistisch,   dass   wir   dann   in   Deutschland   im   Sommer   Temperaturen   von   weit über 40 Grad bekommen. Und zwar regelmäßig. Es   wird   mit   Sicherheit   dazu   führen,   dass   einige   Regionen,   die   heute   schon   an   den   50   Grad knabbern, in den Sommermonaten praktisch unbewohnbar werden. Und   wenn   das   Grönlandeis   schmilzt,   was   bei   weiteren   1,4   Grad   höchstwahrscheinlich   passieren wird,   dann   wird   der   Meeresspiegel   soweit   steigen,   dass   es   einige   heutige   Städte,   New   York   zum Beispiel, nicht mehr geben wird. Warum   wir   trotzdem   weitermachen   wie   bisher   und   nicht   anfangen   mit   dem   Klimaschutz   ernst   zu machen, liegt an unserer Mentalität. Ein wesentliches Merkmal des Menschen ist seine Risikobereitschaft. Dem einher geht das Gefühl, „es wird schon nicht so schlimm werden.“. Dem folgt der Glaube daran, dass man alles schaffen kann, wenn man nur will. Und    das    man    natürlich    auch    mit    Veränderungen    zurechtkommt,    wenn    sie    denn    tatsächlich kommen sollten. Dazu kommt ein, „nach mir die Sintflut.“. Denn was interessiert mich, was im Jahr 2050 ist. Das ist weiter weg, als ich denken kann. Nächste Woche. Ja, das ist ein Zeitraum, der in meine Vorstellung passt. Aber 2050? Das ist ab jetzt noch 33 Jahre entfernt. 33 Jahre sind für Menschen nur noch ein abstrakter Wert. Eine Zahl, ohne die Möglichkeit, sie als Zeitspanne „fühlen“ zu können. 2050 ist so weit weg, dass es für uns nicht real erscheint. Und deshalb ist ein für 2050 postulierter Klimawandel etwas, was uns nicht wirklich interessiert. Pech ist nur, dass der Klimawandel nicht kommt, sondern wir bereits mitten drin sind. Was   wir   jetzt   noch   machen   können,   ist   dafür   zu   sorgen,   dass   er   ab   ca.   2030   nicht   mehr schlimmer wird. Denn,   egal   was   wir   tun,   die   nächsten   mindestens   10   Jahre,   wird   es   nur   noch   schlimmer   und   nicht mehr besser. Ganz nebenbei haben wir noch folgendes Problem. Die Weltwirtschaft ist global in einer Konjunktur. Praktisch in jedem Land dieser Erde steigen Konsum und Verbrauch. Und   das   bedeutet,   dass   für   jedes   Gramm   Kohlendioxid,   das   wir   hier   einsparen,   irgendwo   auf   der Welt jemand oder etwas hinzukommt, das dieses gesparte Gramm produziert. Wenn   wir   es   wirklich   ernst   meinen   mit   Klimaschutz,   dann   müssen   wir   unseren   Bemühungen, unsere Lebensweise naturgerecht zu ändern, um den Faktor 10 erhöhen. Und auch das würde nur reichen, um das aktuelle Geschehen zu bremsen. So   wie   wir   jetzt   handeln,   werden   wir   den   Klimawandel   nicht   bremsen   können.   So   werden   wir   es nicht schaffen. Und   in   spätestens   10   Jahren   wird   auch   der   Letzte   damit   beginnen,   darüber   nachzudenken,   wie   wir mit den geänderten Verhältnissen zurechtkommen. Speziell die Sommer werden unangenehm werden. Politiker werden dann den Slogan rausbringen: „Wir schaffen es, weil wir es gemeinsam schaffen können.“ Oder „Es wird weitergehen, weil es weitergehen muss.“ Oder „Irgendwann   (und   irgendwann   ist   ein   zeitlich   sehr   dehnbarer   Begriff)   werden   wir   die   Mittel   haben, das Klima zu unserem Wohl zu ändern.“ Eins noch. Weder wir noch unsere Nachkommen werden am Kohlendioxid ersticken. Einzig   aus   dem   Grund,   weil,   wenn   die   Werte   von   derzeit   0,04   Prozent   auf   mehr   als   1   Prozent steigen, wir verbrennen werden, lange, bevor wir auch nur Mühe haben, nach Luft zu schnappen. Wem das Wort exponentiell etwas sagt, hier ist eine Frage: „Was   passiert,   wenn   zu   den   jetzigen   Faktoren   weitere   Faktoren   (Methan   z.B.)   in   relevantem   Maße hinzukommen?“ Ich glaube nicht, dass die Klimaforscher mit ihren Analysen und Prognosen falsch liegen. Ich   denke   nur,   dass   der   zeitliche   Faktor   in   den   Klimamodellen   von   der   Wirklichkeit   überholt werden wird. Es gibt da etwas, was ich mich immer wieder frage. Die   meisten   der   Politiker,   denen   bei   ihren   Entscheidungen   der   Klimawandel   ziemlich   egal   ist, haben   Kinder.   Glauben   diese   Politiker,   dass   Geld   allein   genügt,   den   eigenen   Kindern   eine   gesunde Zukunft   zu   sichern?   Und   was   ist   mit   den   Kindern   dieser   Kinder?   Den   Enkeln   also.   Wer   heute geboren wird, hat die besten Chancen, den Jahreswechsel zum Jahr 2100 zu erleben. Für mich ist das Jahr 2100 unerreichbar. Ich werde nicht mehr erleben, welches Klima die Erde dann hat. Soll es mir deshalb egal sein? Ist es nicht, obwohl ich keine Kinder habe. Also,   was   denken   und   fühlen   diese   Politiker,   deren   Enkel   eine   Welt   erleben   werden,   die   gezeichnet ist   von   dem   Dreck   und   den   Abgasen,   die   wir   in   unserer   heutigen,   ach   so   zivilisierten   Welt, erzeugen. Haben sie Angst um die Zukunft ihrer Kinder und Enkel? Oder ist es ihnen egal? Einfach,   weil   sie   glauben,   dass   Macht   alleine   genügt,   um   ein   gutes   und   glückliches   Leben   zu führen? Vielleicht ist es so. Aber nur für diejenigen, die daran glauben, dass Macht auch glücklich macht. Wenn   der   Zeitpunkt   kommt,   an   dem   das   Klima   Menschen   zwingen   wird,   ihre   angestammten Lebensräume   zu   verlassen,   dann   beginnt   etwas,   was   es   seit   mehr   als   tausend   Jahren   nicht   mehr gegeben hat. Wir werden eine Völkerwanderung erleben. Ganze   Völker   werden   gen   Norden   ziehen   und   Lebensräume   beziehen,   die   heute   noch   recht menschenleer   sind.   Die   Weiten   Kanadas,   Grönlands,   Skandinaviens   und   Sibirien   können   durchaus einige Milliarden Menschen aufnehmen. Am   Ende   der   Völkerwanderung,   wenn   sich   unsere   Zivilisation   neu   sortiert   hat,   werden   wir   sagen, dass wir den Klimawandel überwunden haben. Wir werden davon reden, es geschafft zu haben. Ohne allzu laut zuzugeben, dass das Überwinden durch eine zwangsweise Anpassung geschah. Es   wird   eine   Zeit   sein,   in   der   wir   Kolonien   auf   dem   Mond   errichten   und   den   Mars   als   mögliche zweite Erde ansehen. Und   einige   werden   davon   sprechen,   dass   wir   den   Mars   zu   einer   Erde   machen,   zu   einem   blühenden Planeten   formen.   Ohne   darüber   nachzudenken,   dass   wir   auf   einem   blühenden   Planeten   sitzen, den wir, weiß Gott, nicht blühend behandeln. Empfehlenswerte Dokumentationen: Unsere Welt: Stars schlagen Alarm Vor   einem   Jahr   habe   ich   geschrieben,   dass   die   Pariser   Absichtserklärung   gemacht   wurde,   ohne   die Erde   zu   fragen,   ob   sie   mitmacht,   bei   der   geplanten   Begrenzung   der   Temperaturerhöhung   auf   2 Grad. Heute hört man die ersten Stimmen, die sagen, dass das Ziel „2 Grad“ nicht einzuhalten ist. Es stimmt. Wir können nicht das Klima schützen und gleichzeitig unseren Lebensstandard halten. Aber was meinen wir mit Lebensstandard? Wohlstand,    Besitztümer,    kulinarischer    Reichtum,    wie    per    Flugzeug    importierte    Kiwis    aus Neuseeland? Oder meinen wir Gesundheit und eine saubere Umwelt? Es hat mal jemand gesagt, dass man nicht auf zwei Pferden gleichzeitig reiten kann. Dieser jemand hat Recht.
Herbert Haß
Klima
Herbert Haß
Wissenschaft: Klima
Klimawandel Autor: Haß, 16.11.2017 Warum wir es nicht schaffen und warum wir uns einreden werden, es geschafft zu haben. Es   wird   nicht   mehr   lange   dauern,   dann   werde   ich   an   einem   schönen Januartag   an   einem   See   liegen   und   nur   mit   Badehose   bekleidet   die Sonne genießen. Und zwar mehrere Stunden lang, ohne zu frieren. 2017 war ein recht heißer Sommer. Aber das Unangenehmste war nicht die Hitze. Sondern die Luftfeuchtigkeit. Wir kennen das aus der Sauna. 70   Grad   mit   hoher   Luftfeuchtigkeit   können   heißer   sein   als   90   Grad staubtrockene Luft. Die   Veränderungen   von   Sommer   und   Winter   in   Richtung   höherer Temperatur sind 2015 sprunghaft angestiegen. Der   Sprung   war   nicht   besonders   hoch.   Hat   aber   gereicht,   dass   die Berge    bis    über    2500    Meter    Höhe    hinaus    weitgehend    schneefrei blieben. Wann    der    nächste    Sprung    dieser    Qualität    stattfindet,    ist    nicht voraussehbar. Nicht   voraussehbar   war   auch   die   Tatsache,   dass   in   der   Karibik   gleich mehrere schwere Hurrikans hintereinander tobten. Dass   dann   noch   einer   davon   Richtung   Nordatlantik   bis   hin   nach Island   zog,   war   etwas,   was   Meteorologen   fassungslos   machte.   In etwa       der       gleichen       Zeit       gab       es       die       Internationale Automobilausstellung. Neben   der   Ankündigung,   dass   man   demnächst,   irgendwann,   aber bestimmt   ganz   bald,   die   Elektromobilität   fördern   will,   standen   dort die   üblichen   Verkaufsschlager.   SUV’s   mit   hohem   Gewicht   und   hohem Spritverbrauch und nicht wirklich optimiertem Schadstoffausstoß. Aktuellster      Stand      der      Mobilitätsplanung      sieht      Reduzierung schädlicher    Abgase    vor,    die    in    einem,    für    die    Automobilindustrie moderatem Ausmaß, auf die nächsten Jahrzehnte verteilt sind. Hier ist jetzt der Moment, wo wir folgende Frage stellen können. Was ist wichtiger? Die    Aufrechterhaltung    der    Gewinnmaximierung?    Denn    um    nichts anderes geht es hier. Oder die größtmögliche Begrenzung des Klimawandels? Wir   dürfen   davon   ausgehen,   dass   führende   Manager   der   Meinung anhängen,   dass   man   schon   bald   Technologien   haben   wird,   um   so   viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen, wie eben nötig ist. Was    diesen    Managern    wohl    eher    nicht    bewusst    ist,    ist    die Komplexität des Organismus Erde. Das    Klima    der    Erde    ist    derart    kompliziert    aufgebaut,    dass    auch führende Klimaforscher es nicht im Detail erklären können. Einfach   weil   es   zu   viele   Faktoren   gibt,   die   auf   zu   vielen   Wegen miteinander interagieren. Das    Klima    ist    zudem    ein    prinzipiell    chaotisches    System    und gleichzeitig so ausgerichtet, dass es selbstregulierend ist. Wir   dürfen   davon   ausgehen,   dass   jeder   menschliche   Einfluss   ein künstlicher    Einfluss    ist,    der    die    Selbstregulierung    eher    stört    als unterstützt. Vielleicht wird es in 100 Jahren anders sein. Aber   derzeit   sind   wir   von   Kindern,   die   an   etwas   herumspielen,   was sie nicht verstehen, kaum zu unterscheiden. Was   uns   davon   abhält,   die   Sache   mit   dem   Klimawandel   ernst   zu nehmen,   ist   die   Gier,   die   uns   dazu   treibt,   unseren   Lebensstandard auf keinen Fall zu gefährden. Wir   Menschen   sind   Sammler.   Wir   geben   grundsätzlich   nichts   freiwillig her, was wir besitzen. So   lange   uns   schnelle   Autos   wichtiger   sind   als   eine   saubere   Umwelt, werden   wir   den   Klimawandel   nicht   in   der   notwendigen   Weise   ernst nehmen. Und nein, auch ich fahre noch kein Elektroauto. Ich   fahre   einen   Euro   5   Diesel.   Einfach,   weil   er   damals,   als   ich   ihn gekauft habe, als umweltfreundlich galt. Ich   werde   ihn   jetzt   auch   nicht   verkaufen,   um   einen   Benziner   zu kaufen, der 3 Liter pro 100 Kilometer mehr braucht. Denn unterm Strich würde ich dann mehr CO2 produzieren als jetzt. Sicherlich produziert der Individualverkehr viel CO2. Aber werfen wir doch mal einen Blick auf die Meere. Dort fahren alleine mehr als 40.000 Handelsschiffe. Alle   mit   Schwerölmotoren   ausgerüstet,   die   richtig   viel   CO2   und   NOX produzieren.      Nehmen      wir      noch      alle      Passagierschiffe,      alle Kriegsschiffe   und   alle   privaten   Schiffe   hinzu,   haben   wir   weit   mehr CO2, als wir deutschen Autofahrer überhaupt produzieren können. Das ist bei weitem nicht alles. Blicken wir noch auf sämtliche ölbetriebenen Heizungen dieser Welt. Und zusätzlich noch auf alle Öl- und Kohlekraftwerke. Und   dann   noch   auf   die   Landwirtschaft   und   die   Massentierhaltung,   wo relevante Mengen an Methan anfallen. Das   Pariser   Abkommen   verlangt   eine   Begrenzung   der   Erderwärmung auf maximal 2 Grad. Ohne     zu     sagen,     was     die     2     Grad     mehr     an     weltweiter Durchschnittstemperatur bedeuten. Nur   zur   Erinnerung,   seit   Beginn   der   Klimaerwärmung   spricht   man von einer Erhöhung von 0,6 Grad. Diese   0,6   Grad   haben   dazu   geführt,   dass   Schnee   in   Deutschland   fast schon zu einer Rarität geworden ist. Diese   0,6   Grad   haben   dazu   geführt,   dass   in   Ländern,   die   zwischen dem     20.     und     30.     Breitengrad     liegen,     seit     einigen     Jahren Temperaturen von bis über 50 Grad gemessen werden. Sie haben zu einer weltweiten Gletscherschmelze geführt. Nicht   nur   in   Hochgebirgen,   sondern   auch   in   der   Antarktis   und   auf Grönland. Die Arktis ist zeitweise eisfrei. Wie   die   Angelegenheit   aussehen   wird,   wenn   jetzt   noch   1,4   Grad Erderwärmung hinzukommen, das kann niemand voraussagen. Aber   es   wäre   nicht   unrealistisch,   dass   wir   dann   in   Deutschland   im Sommer   Temperaturen   von   weit   über   40   Grad   bekommen.   Und   zwar regelmäßig. Es   wird   mit   Sicherheit   dazu   führen,   dass   einige   Regionen,   die   heute schon   an   den   50   Grad   knabbern,   in   den   Sommermonaten   praktisch unbewohnbar werden. Und    wenn    das    Grönlandeis    schmilzt,    was    bei    weiteren    1,4    Grad höchstwahrscheinlich   passieren   wird,   dann   wird   der   Meeresspiegel soweit    steigen,    dass    es    einige    heutige    Städte,    New    York    zum Beispiel, nicht mehr geben wird. Warum   wir   trotzdem   weitermachen   wie   bisher   und   nicht   anfangen mit dem Klimaschutz ernst zu machen, liegt an unserer Mentalität. Ein wesentliches Merkmal des Menschen ist seine Risikobereitschaft. Dem    einher    geht    das    Gefühl,    „es    wird    schon    nicht    so    schlimm werden.“. Dem   folgt   der   Glaube   daran,   dass   man   alles   schaffen   kann,   wenn man nur will. Und    das    man    natürlich    auch    mit    Veränderungen    zurechtkommt, wenn sie denn tatsächlich kommen sollten. Dazu kommt ein, „nach mir die Sintflut.“. Denn was interessiert mich, was im Jahr 2050 ist. Das ist weiter weg, als ich denken kann. Nächste   Woche.   Ja,   das   ist   ein   Zeitraum,   der   in   meine   Vorstellung passt. Aber 2050? Das ist ab jetzt noch 33 Jahre entfernt. 33 Jahre sind für Menschen nur noch ein abstrakter Wert. Eine    Zahl,    ohne    die    Möglichkeit,    sie    als    Zeitspanne    „fühlen“    zu können. 2050 ist so weit weg, dass es für uns nicht real erscheint. Und   deshalb   ist   ein   für   2050   postulierter   Klimawandel   etwas,   was uns nicht wirklich interessiert. Pech   ist   nur,   dass   der   Klimawandel   nicht   kommt,   sondern   wir   bereits mitten drin sind. Was   wir   jetzt   noch   machen   können,   ist   dafür   zu   sorgen,   dass   er   ab ca. 2030 nicht mehr schlimmer wird. Denn,   egal   was   wir   tun,   die   nächsten   mindestens   10   Jahre,   wird   es nur noch schlimmer und nicht mehr besser. Ganz nebenbei haben wir noch folgendes Problem. Die Weltwirtschaft ist global in einer Konjunktur. Praktisch in jedem Land dieser Erde steigen Konsum und Verbrauch. Und   das   bedeutet,   dass   für   jedes   Gramm   Kohlendioxid,   das   wir   hier einsparen,   irgendwo   auf   der   Welt   jemand   oder   etwas   hinzukommt, das dieses gesparte Gramm produziert. Wenn   wir   es   wirklich   ernst   meinen   mit   Klimaschutz,   dann   müssen   wir unseren   Bemühungen,   unsere   Lebensweise   naturgerecht   zu   ändern, um den Faktor 10 erhöhen. Und   auch   das   würde   nur   reichen,   um   das   aktuelle   Geschehen   zu bremsen. So   wie   wir   jetzt   handeln,   werden   wir   den   Klimawandel   nicht   bremsen können. So werden wir es nicht schaffen. Und   in   spätestens   10   Jahren   wird   auch   der   Letzte   damit   beginnen, darüber   nachzudenken,   wie   wir   mit   den   geänderten   Verhältnissen zurechtkommen. Speziell die Sommer werden unangenehm werden. Politiker werden dann den Slogan rausbringen: „Wir schaffen es, weil wir es gemeinsam schaffen können.“ Oder „Es wird weitergehen, weil es weitergehen muss.“ Oder „Irgendwann   (und   irgendwann   ist   ein   zeitlich   sehr   dehnbarer   Begriff) werden wir die Mittel haben, das Klima zu unserem Wohl zu ändern.“ Eins    noch.    Weder    wir    noch    unsere    Nachkommen    werden    am Kohlendioxid ersticken. Einzig   aus   dem   Grund,   weil,   wenn   die   Werte   von   derzeit   0,04   Prozent auf   mehr   als   1   Prozent   steigen,   wir   verbrennen   werden,   lange,   bevor wir auch nur Mühe haben, nach Luft zu schnappen. Wem das Wort exponentiell etwas sagt, hier ist eine Frage: „Was    passiert,    wenn    zu    den    jetzigen    Faktoren    weitere    Faktoren (Methan z.B.) in relevantem Maße hinzukommen?“ Ich   glaube   nicht,   dass   die   Klimaforscher   mit   ihren   Analysen   und Prognosen falsch liegen. Ich   denke   nur,   dass   der   zeitliche   Faktor   in   den   Klimamodellen   von der Wirklichkeit überholt werden wird. Es gibt da etwas, was ich mich immer wieder frage. Die    meisten    der    Politiker,    denen    bei    ihren    Entscheidungen    der Klimawandel   ziemlich   egal   ist,   haben   Kinder.   Glauben   diese   Politiker, dass   Geld   allein   genügt,   den   eigenen   Kindern   eine   gesunde   Zukunft zu   sichern?   Und   was   ist   mit   den   Kindern   dieser   Kinder?   Den   Enkeln also.    Wer    heute    geboren    wird,    hat    die    besten    Chancen,    den Jahreswechsel zum Jahr 2100 zu erleben. Für mich ist das Jahr 2100 unerreichbar. Ich werde nicht mehr erleben, welches Klima die Erde dann hat. Soll es mir deshalb egal sein? Ist es nicht, obwohl ich keine Kinder habe. Also,   was   denken   und   fühlen   diese   Politiker,   deren   Enkel   eine   Welt erleben   werden,   die   gezeichnet   ist   von   dem   Dreck   und   den   Abgasen, die wir in unserer heutigen, ach so zivilisierten Welt, erzeugen. Haben sie Angst um die Zukunft ihrer Kinder und Enkel? Oder ist es ihnen egal? Einfach,   weil   sie   glauben,   dass   Macht   alleine   genügt,   um   ein   gutes und glückliches Leben zu führen? Vielleicht ist es so. Aber    nur    für    diejenigen,    die    daran    glauben,    dass    Macht    auch glücklich macht. Wenn   der   Zeitpunkt   kommt,   an   dem   das   Klima   Menschen   zwingen wird,   ihre   angestammten   Lebensräume   zu   verlassen,   dann   beginnt etwas,   was   es   seit   mehr   als   tausend   Jahren   nicht   mehr   gegeben   hat. Wir werden eine Völkerwanderung erleben. Ganze     Völker     werden     gen     Norden     ziehen     und     Lebensräume beziehen,    die    heute    noch    recht    menschenleer    sind.    Die    Weiten Kanadas,   Grönlands,   Skandinaviens   und   Sibirien   können   durchaus einige Milliarden Menschen aufnehmen. Am   Ende   der   Völkerwanderung,   wenn   sich   unsere   Zivilisation   neu sortiert     hat,     werden     wir     sagen,     dass     wir     den     Klimawandel überwunden haben. Wir werden davon reden, es geschafft zu haben. Ohne    allzu    laut    zuzugeben,    dass    das    Überwinden    durch    eine zwangsweise Anpassung geschah. Es   wird   eine   Zeit   sein,   in   der   wir   Kolonien   auf   dem   Mond   errichten und den Mars als mögliche zweite Erde ansehen. Und   einige   werden   davon   sprechen,   dass   wir   den   Mars   zu   einer   Erde machen,    zu    einem    blühenden    Planeten    formen.    Ohne    darüber nachzudenken,   dass   wir   auf   einem   blühenden   Planeten   sitzen,   den wir, weiß Gott, nicht blühend behandeln. Empfehlenswerte Dokumentationen: Unsere Welt: Stars schlagen Alarm Vor     einem     Jahr     habe     ich     geschrieben,     dass     die     Pariser Absichtserklärung   gemacht   wurde,   ohne   die   Erde   zu   fragen,   ob   sie mitmacht,   bei   der   geplanten   Begrenzung   der   Temperaturerhöhung auf 2 Grad. Heute   hört   man   die   ersten   Stimmen,   die   sagen,   dass   das   Ziel   „2 Grad“ nicht einzuhalten ist. Es   stimmt.   Wir   können   nicht   das   Klima   schützen   und   gleichzeitig unseren Lebensstandard halten. Aber was meinen wir mit Lebensstandard? Wohlstand,   Besitztümer,   kulinarischer   Reichtum,   wie   per   Flugzeug importierte Kiwis aus Neuseeland? Oder meinen wir Gesundheit und eine saubere Umwelt? Es    hat    mal    jemand    gesagt,    dass    man    nicht    auf    zwei    Pferden gleichzeitig reiten kann. Dieser jemand hat Recht.