Gravitationswellen Nachdem   man   sie   1974   indirekt   nachgewiesen   hat,   hat   man   nun   signifikante   Beweise   dafür, Gravitationswellen   direkt   nachgewiesen   zu   haben.   Schön,   nur   was   hat   man   da   eigentlich   entdeckt? Was genau sind Gravitationswellen? Und was genau ist Gravitation? Kurz   gesagt:   „Gravitation   ist   ein   Effekt   der   Raumkrümmung,   die   wiederum   durch   Masse   generiert wird.“ Also,   Masse   krümmt   den   Raum   und   die   Krümmung   bewirkt   die   Anziehungskraft,   die   wir   als Gravitation bezeichnen. Was    uns    zu    der    Frage    bringt,    woraus    besteht    der    Raum?    Gemäß    gültiger    Auffassung    des kosmologischen   Standardmodells   besteht   Raum   aus   Nichts.   Keine   Energie,   keine   Masse,   kein Irgendwas, sondern einfach Nichts. Und   dieses   Nichts   wird   durch   Masse   gekrümmt.   Soweit,   dass   es   Einfluss   (Anziehungskraft)   auf eben das hat, was es gekrümmt hat, Masse nämlich. Übertragen   aufs   wirkliche   Leben   heißt   das,   dass,   wenn   ich   aus   dem   Fenster   falle,   das   gekrümmte Nichts dafür sorgt, dass ich mit 9,81 Meter pro Sekunde beschleunigt werde. Ein   recht   effektives   Nichts,   wenn   man   das   so   sagen   darf.   Nehmen   wir   aber   die   Masse   weg,   wird das   gekrümmte   Nichts   zu   einem   geraden   Nichts   und   hat   dann   wieder   nichts   an   gravitativer Wirkung. Ergo, ohne Masse kein gekrümmtes Nichts. Ohne gekrümmtes Nichts keine Gravitation. Und   jetzt   kommt   da   etwas,   das   eine   Krümmung   des   Nichts   verursacht,   ohne   dass   Masse   im   Spiel ist. Auch,   wenn   es   nur   eine   temporäre   Krümmung   ist.   Also   nichts   ohne   Bestand,   praktisch   nur   etwas, das   mal   kurz   da   war.   Sozusagen,   gleich   einem   Vogel,   mal   eben   vorbeifliegt.   Oder   anschaulicher vorstellbar, gleich einer Welle, die unermüdlich den Ozean durchquert. Die   Frage   ist   nur,   was   es   war,   dass   da   mit   299792   km/Sekunde   durchs   Weltall   zieht   und   den   Raum verzieht.   Für   einen   Moment   zwar   nur   und   ohne   spürbare   Wirkung   zu   erzeugen,   aber   immerhin meßbar. Nicht spürbar, aber meßbar? Nehmen   wir   spiegelglattes   Wasser   und   markieren   eine   Strecke   von   10   Metern.   Jetzt   lassen   wir   ein Modellboot,   sagen   wir   von   10   cm   Länge,   diese   Strecke   mit   exakt   gleichbleibender   Geschwindigkeit abfahren   und   messen   die   Zeit.   Dann   lassen   wir   es   zurückfahren   und   messen   wieder   die   Zeit.   Nur diesmal   sorgen   wir   für   eine   5   cm   hohe   Welle,   über   die   das   Boot   hinweg   muß.   Die   Wegstrecke,   die das   Boot   zurücklegen   muss,   verlängert   sich   um   die   Strecke,   um   die   die   Wölbung   der   Welle   länger ist,   als   die   ideale   gerade   Strecke.   Dadurch   ändert   sich   auch   die   Zeit,   die   das   Boot   für   die   Strecke benötigt und seien es auch nur Sekunden oder Teile davon. Wenn   nun   Gravitationswellen   unterwegs   sind   und   den   Raum   dort,   wo   sie   ihn   passieren,   für   eben diesen   Moment   der   Passage   krümmen,   ändern   sich   die   Distanzen   zwischen   den   Orten,   zwischen denen sich die Gravitationswelle bewegt. Stellen   wir   uns   vor,   wir   stehen   an   einem   Ende   eines   Korridors   und   das   andere   Ende   ist   10   Meter entfernt.   Nun   läuft   eine   Gravitationswelle   durch   diesen   Korridor.   Nehmen   wir   eine   starke,   eine richtig   starke   Gravitationswelle,   dann   könnten   wir   sehen,   wie   das   Ende   des   Korridors   sich   auf   uns zu bewegt, um gleich darauf wieder an seinen alten Platz zurück zu kehren. Nur   müssten   wir   dabei   unglaublich   schnell   sehen   können,   denn   bei   einem   Tempo   von   299792   km/s braucht   die   Gravitationswelle   für   10   Meter   kaum   mehr   als   eine   3   millionste   Sekunde.   Um   die gesamte   Erde   zu   durchqueren,   braucht   sie   gerade   mal   0,06   Sekunden.   Ein   Wimpernschlag   dauert länger! Wir   wissen   jetzt   zwar,   was   sie   macht,   wie   schnell   sie   ist   und   wie   man   sie   messen   kann,   aber immer   noch   nicht,   woraus   sie   besteht.   Masse   kann   es   nicht   sein,   da   diese   mit   anderer   Masse interagieren würde, zudem kann etwas, das Masse hat, nicht 299792 km/s schnell sein. Wenn   der   Raum   aus   Nichts   besteht,   kann   er   keine   Wellenenergie   übertragen,   so   wie   wir   es   von Wasser oder Luft (Schallwellen) kennen. Demnach   muß   es   etwas   rein   Energetisches   sein,   denn   auch   Energie   kann   den   Raum   krümmen, oder etwas, das wir noch nicht kennen. ‘‘Wenn   ich   eine   Frage   habe,   die   niemand   beantworten   kann,   kann   ich   nur   abwarten,   bis   ich jemanden finde, der sie beantworten kann. Gemäß    der    Schleifenquantengravitationstheorie    besteht    der    Raum    nicht    aus    Nichts,    was    die Erklärung von Gravitationswellen einfacher machen könnte. Nur    ist    die    Schleifenquantengravitationstheorie    eine    unbestätigte    Theorie,    ebenso    wie    die Stringtheorie   und   in   gewisser   Weise   leidet   auch   das   Standardmodell   an   diversen   unbestätigten Elementen.   Nur   ist   das   Standardmodell   das   am   besten   erforschte,   das   verständlichste   und   das,   an das die Mehrheit glaubt. Nachdem   wir   die   Frage,   was   Gravitationswellen   sind,   nicht   abschließend   beantworten   können, können wir fragen, wozu wir sie nutzen können. Primär   als   Plaudertaschen.   Denn   sie   erzählen   uns,   woher   sie   kommen   und   im   Idealfall   auch, wodurch   sie   entstanden   sind.   Kurz   gesagt,   der   Mensch   hat   etwas   mehr,   auf   das   er   schauen   kann. Bekommt   dadurch   mehr   Informationen,   die   er   als   Sensation   bewerten   kann.   Man   könnte   auch sagen,   mehr   Schnaps,   um   zu   löschen   der   Neugier   Durst.   Gut,   man   muß   es   jetzt   nicht   Schnaps nennen. Wenngleich, ein einprägsames Synonym für Neugier befriedigende Erkenntnisse. In     dem     Zusammenhang     ist     es     interessant,     die     Entstehung     der     kürzlich     gemessenen Gravitationswelle näher zu betrachten. Ursache   war   die   Verschmelzung   zweier   Schwarzer   Löcher   von   29   und   36   Sonnenmassen.   Wobei   3 Sonnenmassen   an   Energie   in   Form   einer   Gravitationswelle   freigesetzt   wurden.   Das   ist   mehr Energie     als     unser     gesamtes     Sonnensystem     enthält     und     ungefähr     so     viel,     wie     das Dreifachsonnensystem Alpha Centauri zu bieten hat. Bedenkt   man,   dass   die   Stärke   der   Gravitation   im   Quadrat   zur   Entfernung   abnimmt   und   dass   sie sich   kugelförmig   ausbreitet,   kann   man   die   Frage   stellen,   wie   viel   an   Gravitationskraft   übrig   bleibt, wenn   ihr   Ursprung   Lichtjahre   entfernt   ist.   Oder,   wie   immens   stark   das   Ereignis   gewesen   sein   muß, wenn es nach 1,3 Milliarden Lichtjahren immer noch meßbar ist. Man   stelle   sich   vor,   ein   Schwarzes   Loch,   das   29   mal   so   schwer   ist,   wie   unsere   Sonne.   Daneben eins, das noch um 7 Sonnen schwerer ist. Wie kamen die eigentlich so nahe zusammen? Schwarze   Löcher   kommen   nicht   aus   dem   Nichts,   sondern   sind   der   Überrest   einer   Supernova,   also von   Sonnen,   die,   salopp   gesagt,   explodiert   sind.   Jedoch   nicht   von   jeder   Supernova,   sondern   nur von   eher   schweren   Sternen.   Blaue   Überriesen   sind   ideale   Kandidaten.   Zumal   derart   schwere   und heiße   Sterne   nur   wenige   Millionen   Jahre   alt   werden.   Und,   wenn   zufällig   zwei   dieser   Überriesen   ein Doppelsternsystem bilden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man zwei Schwarze Löcher hat. Diese   kreisen   nun   um   einen   gemeinsamen   Schwerpunkt.   Solange   Anziehungskräfte   und   Fliehkräfte gleich sind, handelt es sich um ein stabiles System, das Jahrmilliarden überdauern kann. Sobald   aber   die   Fliehkräfte   schwächer   sind,   als   die   Anziehungskraft,   beginnt   die   Annäherung. Gleichzeitig   steigt   die   Geschwindigkeit,   die   am   Ende   wohl   fast   zwei   Drittel   der   Lichtgeschwindigkeit erreichte. Sobald   die   Ereignishorizonte   der   Schwarzen   Löcher   in   Kontakt   miteinander   kommen,   kommt   es   zu einem   Effekt,   für   den   die   meisten   Astrophysiker   Haus,   Hof   und   große   Teile   ihres   Lebens   geben würden, um ihn  aus der Nähe sehen zu können. Was   da   genau   passiert,   ist   nicht   wirklich   vorstellbar.   Zumal   es   praktisch   unsichtbar   ist.   Zwei   primär unsichtbare   Objekte   von   nicht   vorstellbarer   Energie   verschmelzen   mit   ebenso   nicht   vorstellbarer Geschwindigkeit   und   geben   dabei   innerhalb   von   millionsten   Sekunden   mit   3   Sonnenmassen   eine wieder nicht vorstellbare Menge an Energie ab. Für   einen   Sekundenbruchteil   ist   dies   mehr   Energie,   als   sämtliche   Sterne   des   beobachtbaren Universums   im   gleichen   Zeitraum   aussenden.   Was   man   aber   nicht   falsch   verstehen   sollte.   Denn, wenn   alle   Sterne   des   Universums   gleichzeitig   all   ihre   Energie   freisetzen,   gäbe   es   wohl   keinen einzigen dunklen Fleck mehr. Es   ist   schwer,   mitunter   auch   falsch,   auf   kosmischen   Maßstäben   zu   versuchen,   Dinge   in   Verhältnis zueinander zu bringen. Allzu leicht kann es Vorstellungen auch in falsche Bahnen lenken. Wie   viel   Spannendes   nun   neue   Gravitationswellendetektoren   in   Zukunft   bringen   werden,   darüber kann man schwer spekulieren. Was Spekulationen betrifft, vielleicht noch ein, zwei Gedanken zu Warpantrieb und Zeitreisen. Damit   der   Warpantrieb   Überlichtgeschwindigkeit   erreicht,   muß   zumindest   die   Kompression   des Raums   ebenfalls   mit   Überlichtgeschwindigkeit   erfolgen.   Da   die   Gravitation   sich   aber   „nur“   mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet…, na ja, vielleicht findet man noch einen anderen Trick. Hat    irgendjemand    auf    diesem    Planeten    eine    Vorstellung    davon,    wie    man    mit    Hilfe    einer Gravitationswelle   die   Raumzeit   so   verbiegen   kann,   dass   man,   wenn   man   heute   hindurchgeht,   im Gestern ankommt? Nein? Gut, denn alles andere wäre zumindest fragwürdig…  © 2016 ‘‘Die Vergangenheit lebt in der Erinnerung. ‘‘Die einzige Form der Zeitreise ist die, mit der Zeit zu reisen.
Kosmologie
Herbert Haß
Nachdem    man    sie    1974    indirekt    nachgewiesen    hat,    hat    man    nun signifikante   Beweise   dafür,   Gravitationswellen   direkt   nachgewiesen   zu haben.   Schön,   nur   was   hat   man   da   eigentlich   entdeckt?   Was   genau sind Gravitationswellen? Und was genau ist Gravitation? Kurz    gesagt:    „Gravitation    ist    ein    Effekt    der    Raumkrümmung,    die wiederum durch Masse generiert wird.“ Also,    Masse    krümmt    den    Raum    und    die    Krümmung    bewirkt    die Anziehungskraft, die wir als Gravitation bezeichnen. Was    uns    zu    der    Frage    bringt,    woraus    besteht    der    Raum?    Gemäß gültiger   Auffassung   des   kosmologischen   Standardmodells   besteht   Raum aus    Nichts.    Keine    Energie,    keine    Masse,    kein    Irgendwas,    sondern einfach Nichts. Und   dieses   Nichts   wird   durch   Masse   gekrümmt.   Soweit,   dass   es   Einfluss (Anziehungskraft)   auf   eben   das   hat,   was   es   gekrümmt   hat,   Masse nämlich. Übertragen   aufs   wirkliche   Leben   heißt   das,   dass,   wenn   ich   aus   dem Fenster   falle,   das   gekrümmte   Nichts   dafür   sorgt,   dass   ich   mit   9,81 Meter pro Sekunde beschleunigt werde. Ein   recht   effektives   Nichts,   wenn   man   das   so   sagen   darf.   Nehmen   wir aber   die   Masse   weg,   wird   das   gekrümmte   Nichts   zu   einem   geraden Nichts und hat dann wieder nichts an gravitativer Wirkung. Ergo,   ohne   Masse   kein   gekrümmtes   Nichts.   Ohne   gekrümmtes   Nichts keine Gravitation. Und   jetzt   kommt   da   etwas,   das   eine   Krümmung   des   Nichts   verursacht, ohne dass Masse im Spiel ist. Auch,   wenn   es   nur   eine   temporäre   Krümmung   ist.   Also   nichts   ohne Bestand,   praktisch   nur   etwas,   das   mal   kurz   da   war.   Sozusagen,   gleich einem    Vogel,    mal    eben    vorbeifliegt.    Oder    anschaulicher    vorstellbar, gleich einer Welle, die unermüdlich den Ozean durchquert. Die   Frage   ist   nur,   was   es   war,   dass   da   mit   299792   km/Sekunde   durchs Weltall   zieht   und   den   Raum   verzieht.   Für   einen   Moment   zwar   nur   und ohne   spürbare   Wirkung   zu   erzeugen,   aber   immerhin   meßbar.   Nicht spürbar, aber meßbar? Nehmen   wir   spiegelglattes   Wasser   und   markieren   eine   Strecke   von   10 Metern.   Jetzt   lassen   wir   ein   Modellboot,   sagen   wir   von   10   cm   Länge, diese   Strecke   mit   exakt   gleichbleibender   Geschwindigkeit   abfahren   und messen   die   Zeit.   Dann   lassen   wir   es   zurückfahren   und   messen   wieder die   Zeit.   Nur   diesmal   sorgen   wir   für   eine   5   cm   hohe   Welle,   über   die   das Boot   hinweg   muß.   Die   Wegstrecke,   die   das   Boot   zurücklegen   muss, verlängert   sich   um   die   Strecke,   um   die   die   Wölbung   der   Welle   länger ist,   als   die   ideale   gerade   Strecke.   Dadurch   ändert   sich   auch   die   Zeit,   die das   Boot   für   die   Strecke   benötigt   und   seien   es   auch   nur   Sekunden   oder Teile davon. Wenn   nun   Gravitationswellen   unterwegs   sind   und   den   Raum   dort,   wo sie   ihn   passieren,   für   eben   diesen   Moment   der   Passage   krümmen, ändern   sich   die   Distanzen   zwischen   den   Orten,   zwischen   denen   sich   die Gravitationswelle bewegt. Stellen   wir   uns   vor,   wir   stehen   an   einem   Ende   eines   Korridors   und   das andere   Ende   ist   10   Meter   entfernt.   Nun   läuft   eine   Gravitationswelle durch    diesen    Korridor.    Nehmen    wir    eine    starke,    eine    richtig    starke Gravitationswelle,   dann   könnten   wir   sehen,   wie   das   Ende   des   Korridors sich   auf   uns   zu   bewegt,   um   gleich   darauf   wieder   an   seinen   alten   Platz zurück zu kehren. Nur   müssten   wir   dabei   unglaublich   schnell   sehen   können,   denn   bei einem   Tempo   von   299792   km/s   braucht   die   Gravitationswelle   für   10 Meter   kaum   mehr   als   eine   3   millionste   Sekunde.   Um   die   gesamte   Erde zu     durchqueren,     braucht     sie     gerade     mal     0,06     Sekunden.     Ein Wimpernschlag dauert länger! Wir   wissen   jetzt   zwar,   was   sie   macht,   wie   schnell   sie   ist   und   wie   man sie   messen   kann,   aber   immer   noch   nicht,   woraus   sie   besteht.   Masse kann   es   nicht   sein,   da   diese   mit   anderer   Masse   interagieren   würde, zudem kann etwas, das Masse hat, nicht 299792 km/s schnell sein. Wenn    der    Raum    aus    Nichts    besteht,    kann    er    keine    Wellenenergie übertragen, so wie wir es von Wasser oder Luft (Schallwellen) kennen. Demnach   muß   es   etwas   rein   Energetisches   sein,   denn   auch   Energie kann den Raum krümmen, oder etwas, das wir noch nicht kennen. ‘‘Wenn   ich   eine   Frage   habe,   die   niemand   beantworten   kann,   kann   ich nur abwarten, bis ich jemanden finde, der sie beantworten kann. Gemäß   der   Schleifenquantengravitationstheorie   besteht   der   Raum   nicht aus   Nichts,   was   die   Erklärung   von   Gravitationswellen   einfacher   machen könnte. Nur     ist     die     Schleifenquantengravitationstheorie     eine     unbestätigte Theorie,   ebenso   wie   die   Stringtheorie   und   in   gewisser   Weise   leidet   auch das   Standardmodell   an   diversen   unbestätigten   Elementen.   Nur   ist   das Standardmodell   das   am   besten   erforschte,   das   verständlichste   und   das, an das die Mehrheit glaubt. Nachdem   wir   die   Frage,   was   Gravitationswellen   sind,   nicht   abschließend beantworten können, können wir fragen, wozu wir sie nutzen können. Primär   als   Plaudertaschen.   Denn   sie   erzählen   uns,   woher   sie   kommen und   im   Idealfall   auch,   wodurch   sie   entstanden   sind.   Kurz   gesagt,   der Mensch   hat   etwas   mehr,   auf   das   er   schauen   kann.   Bekommt   dadurch mehr   Informationen,   die   er   als   Sensation   bewerten   kann.   Man   könnte auch   sagen,   mehr   Schnaps,   um   zu   löschen   der   Neugier   Durst.   Gut, man   muß   es   jetzt   nicht   Schnaps   nennen.   Wenngleich,   ein   einprägsames Synonym für Neugier befriedigende Erkenntnisse. In   dem   Zusammenhang   ist   es   interessant,   die   Entstehung   der   kürzlich gemessenen Gravitationswelle näher zu betrachten. Ursache   war   die   Verschmelzung   zweier   Schwarzer   Löcher   von   29   und 36   Sonnenmassen.   Wobei   3   Sonnenmassen   an   Energie   in   Form   einer Gravitationswelle   freigesetzt   wurden.   Das   ist   mehr   Energie   als   unser gesamtes    Sonnensystem    enthält    und    ungefähr    so    viel,    wie    das Dreifachsonnensystem Alpha Centauri zu bieten hat. Bedenkt    man,    dass    die    Stärke    der    Gravitation    im    Quadrat    zur Entfernung   abnimmt   und   dass   sie   sich   kugelförmig   ausbreitet,   kann man   die   Frage   stellen,   wie   viel   an   Gravitationskraft   übrig   bleibt,   wenn ihr    Ursprung    Lichtjahre    entfernt    ist.    Oder,    wie    immens    stark    das Ereignis   gewesen   sein   muß,   wenn   es   nach   1,3   Milliarden   Lichtjahren immer noch meßbar ist. Man   stelle   sich   vor,   ein   Schwarzes   Loch,   das   29   mal   so   schwer   ist,   wie unsere   Sonne.   Daneben   eins,   das   noch   um   7   Sonnen   schwerer   ist.   Wie kamen die eigentlich so nahe zusammen? Schwarze   Löcher   kommen   nicht   aus   dem   Nichts,   sondern   sind   der Überrest    einer    Supernova,    also    von    Sonnen,    die,    salopp    gesagt, explodiert   sind.   Jedoch   nicht   von   jeder   Supernova,   sondern   nur   von eher    schweren    Sternen.    Blaue    Überriesen    sind    ideale    Kandidaten. Zumal   derart   schwere   und   heiße   Sterne   nur   wenige   Millionen   Jahre   alt werden.      Und,      wenn      zufällig      zwei      dieser      Überriesen      ein Doppelsternsystem   bilden,   ist   es   nur   eine   Frage   der   Zeit,   bis   man   zwei Schwarze Löcher hat. Diese    kreisen    nun    um    einen    gemeinsamen    Schwerpunkt.    Solange Anziehungskräfte   und   Fliehkräfte   gleich   sind,   handelt   es   sich   um   ein stabiles System, das Jahrmilliarden überdauern kann. Sobald   aber   die   Fliehkräfte   schwächer   sind,   als   die   Anziehungskraft, beginnt   die   Annäherung.   Gleichzeitig   steigt   die   Geschwindigkeit,   die   am Ende wohl fast zwei Drittel der Lichtgeschwindigkeit erreichte. Sobald     die     Ereignishorizonte     der     Schwarzen     Löcher     in     Kontakt miteinander   kommen,   kommt   es   zu   einem   Effekt,   für   den   die   meisten Astrophysiker   Haus,   Hof   und   große   Teile   ihres   Lebens   geben   würden, um ihn  aus der Nähe sehen zu können. Was   da   genau   passiert,   ist   nicht   wirklich   vorstellbar.   Zumal   es   praktisch unsichtbar   ist.   Zwei   primär   unsichtbare   Objekte   von   nicht   vorstellbarer Energie   verschmelzen   mit   ebenso   nicht   vorstellbarer   Geschwindigkeit und     geben     dabei     innerhalb     von     millionsten     Sekunden     mit     3 Sonnenmassen eine wieder nicht vorstellbare Menge an Energie ab. Für    einen    Sekundenbruchteil    ist    dies    mehr    Energie,    als    sämtliche Sterne     des     beobachtbaren     Universums     im     gleichen     Zeitraum aussenden.   Was   man   aber   nicht   falsch   verstehen   sollte.   Denn,   wenn alle   Sterne   des   Universums   gleichzeitig   all   ihre   Energie   freisetzen,   gäbe es wohl keinen einzigen dunklen Fleck mehr. Es   ist   schwer,   mitunter   auch   falsch,   auf   kosmischen   Maßstäben   zu versuchen,   Dinge   in   Verhältnis   zueinander   zu   bringen.   Allzu   leicht   kann es Vorstellungen auch in falsche Bahnen lenken. Wie   viel   Spannendes   nun   neue   Gravitationswellendetektoren   in   Zukunft bringen werden, darüber kann man schwer spekulieren. Was    Spekulationen    betrifft,    vielleicht    noch    ein,    zwei    Gedanken    zu Warpantrieb und Zeitreisen. Damit     der     Warpantrieb     Überlichtgeschwindigkeit     erreicht,     muß zumindest       die       Kompression       des       Raums       ebenfalls       mit Überlichtgeschwindigkeit   erfolgen.   Da   die   Gravitation   sich   aber   „nur“ mit   Lichtgeschwindigkeit   ausbreitet…,   na   ja,   vielleicht   findet   man   noch einen anderen Trick. Hat   irgendjemand   auf   diesem   Planeten   eine   Vorstellung   davon,   wie man   mit   Hilfe   einer   Gravitationswelle   die   Raumzeit   so   verbiegen   kann, dass   man,   wenn   man   heute   hindurchgeht,   im   Gestern   ankommt?   Nein? Gut, denn alles andere wäre zumindest fragwürdig…  © 2016 ‘‘Die Vergangenheit lebt in der Erinnerung. ‘‘Die einzige Form der Zeitreise ist die, mit der Zeit zu reisen.
Wissenschaft: Kosmologie
Gravitationswellen
Herbert Haß