Eingehen   möchte   ich   hier   auf   die   konservative   (erhaltende)   Behandlung   eines   nicht   vollständigen Abrisses des vorderen Kreuzbandes. Diagnose: Lachmantest: Positiv (kein Anschlag des vorderen Kreuzbands) Schubladentest: Unklar MRT: zumindest subtotaler Riss (also fast ganz durch) des vorderen Kreuzbands) Erste Maßnahme: (Orthopädische Verordnung) Ruhigstellung mit Gehschiene: Einstellung10 bis 60 Grad. Dauer 4 Wochen. Bewegung: Krücken (beidseitig) Belastung: Maximal 10 Prozent. Reha:   - Die ersten drei Monate   - Funktionstest!   - Phase 2 Die ersten drei Monate: Wann   mit   ersten   Rehamaßnahmen   begonnen   wird,   ist   eine   Frage,   die   man   mit   dem   behandelnden Arzt individuell besprechen muß. In   dem   von   mir   betreuten   Fall   hätte   man   mit   Muskelkraft   erhaltenden   Maßnahmen   auch   wesentlich früher beginnen können. Beginn Rehamaßnahmen ab der 6. Woche. 2 x pro Woche Mobilitätstraining mit Massage des Quadrizeps. Lymphdrainage Bewegung: Krücken (beidseitig) Belastung: Maximal 30 Prozent. Rehamaßnahmen 7. Woche. Lymphdrainage, Krankengymanstik 2 x pro Woche Bewegung: Krücken (beidseitig) Belastung: Maximal 30 Prozent. Bewegungs- und Kraftübungen im Schwimmbad 2 - 3 x pro Woche Wassertiefe: Brusttief Übungen: normales gehen, dezente Kniebeugen, Wadenheben Gymanstik (Beugung ca. 100 Grad, Streckung (nahezu volle Streckung) Täglich Rehamaßnahmen 8. Woche. Bewegung: Krücken (beidseitig) Belastung: Maximal 50 Prozent. Lymphdrainage, Krankengymanstik 2 x pro Woche Bewegungs- und Kraftübungen im Schwimmbad Wassertiefe: Brusttief bis Ansatz Bauchnabel Übungen: normales gehen, dezente Kniebeugen, Wadenheben Gymanstik (Beugung ca. 110 Grad, Streckung (nahezu volle Streckung) Täglich Isometrische Übungen (willkürliches Anspannen des Oberschenkels ohne Bewegung)  (Isometrische Übungen sollten ab der 1. Woche ausgeführt werden) Rehamaßnahmen 9. Woche. Lymphdrainage, Krankengymanstik 2 x pro Woche Bewegung: Krücken (beidseitig) Belastung: kurzfristig bis zu 100 Prozent erlaubt. Bewegungs- und Kraftübungen im Schwimmbad 2 - 3 x pro Woche Wassertiefe: Brusttief bis Hüfttief Übungen: normales gehen, dezente Kniebeugen, Wadenheben, einbeinige Übungen Gymanstik (Beugung ca. 120 Grad, Streckung (volle Streckung, ohne durchdrücken!) Krafttraining (außerhalb des Wassers) jeden 2. Tag   (Damit kann/sollte wesentlich früher begonnen werden. Hierzu gibt es jedoch    differierende Meinungen. Ist also im Einzelfall abzuwägen)   Kniebeugen, Wadenheben, Beinheben (alles ohne volle Belastung und mit Festhalten.)   Isometrische Übungen (mit Betonung auf Reflexartiges Anspannen) Rehamaßnahmen 10. Woche. Lymphdrainage, Krankengymanstik 2 x pro Woche Bewegung: Krücken (beidseitig) Belastung: zunehmend 100 Prozent. Bewegungs- und Kraftübungen im Schwimmbad 2 - 3 x pro Woche Wassertiefe: Brusttief bis Hüfttief Übungen: normales gehen, dezente Kniebeugen, Wadenheben, einbeinige Übungen Gymanstik (Beugung ca. 130 Grad, Streckung (volle Streckung, ohne durchdrücken!) Krafttraining (außerhalb des Wassers) jeden 2. Tag   Kniebeugen, Wadenheben, Beinheben (alles ohne volle Belastung und mit Festhalten.)   Isometrische Übungen Rehamaßnahmen 11. Woche. Lymphdrainage, Krankengymanstik 2 x pro Woche Bewegung: Krücken (weg damit!) Nur noch zur Sicherheit bzw. einhändig. Belastung: 100 Prozent. Empfehlung: Nicht übertreiben! Schließlich verträgt das Kreuzband kaum mehr als 10 Prozent seiner früheren Belastbarkeit. Jedes Verdrehen oder Durchdrücken ist riskant und kann zum vollständigen Abriss führen. Bewegungs- und Kraftübungen im Schwimmbad 2 - 3 x pro Woche Wassertiefe: Brusttief bis Hüfttief (teilweise weniger als Hüfttief) Übungen: normales gehen, dezente Kniebeugen, Wadenheben, einbeinige Übungen Gymanstik (Beugung ca. 140 Grad, Streckung (volle Streckung, ohne durchdrücken!) Krafttraining (außerhalb des Wassers) Täglich mit abwechselnden Übungen/Intensität.   Kniebeugen, Wadenheben, Beinheben (steigende Belastung, zunehmend ohne Festhalten.)   Isometrische Übungen Funktionstest! Wie prüft man nun, ob das Kreuzband wieder zusammenwächst oder nicht? Ein   MRT   macht   hier   wenig   Sinn,   da   im   Knie   noch   zuviel   „Unruhe“   herrscht,   um   ein   klares   Abbild   zu bekommen. (Hat mit Wasseransammlungen/Wasserstoffatomen zu tun…) Was   bleibt,   sind   manuelle   Funktionstests,   die   vom   Orthopäden   recht   zuverlässig   ausgeführt   werden können. An erster Stelle ist hier der Lachmann Test zu nennen. Vom   negativen   Lachmann   Test   spricht   man,   wenn   das   vordere   Kreuzband   eine   normale   Funktion   zeigt. Den Unterschenkel also zuverlässig und rechtzeitig an einer Überstreckung hindert. Positiv ist der Lachmann Test, wenn das vordere Kreuzband nicht rechtzeitig bzw. gar nicht reagiert. Daher   wird   der   Lachmann   Test   in   Stufen   von   1   bis   5   angegeben.   Wobei   5   das   ist,   was   man   nicht   haben will und einen über eine Operation nachdenken lässt. Ein   dezent   positiver   Lachmann   Test   hingegen   bedeutet   zwar,   dass   das   vordere   Kreuzband   nicht   optimal funktioniert, aber doch ausreichend genug, für eine zukünftige volle Belastbarkeit. Maßgeblich   für   ein   gesundes   Knie,   bei   dezent   positivem   Lachmann   Test,   ist   die   grundsätzliche   Stabilität des    Knies.    Und    die    ist    abhängig    von    allen    übrigen    Bändern    (Hinteres    Kreuzband,    Innenband, Außenband,   Patella)   und   aller   Muskeln,   die   direkt   oder   indirekt   an   den   Bewegungen   des   Knies   beteiligt sind. Besteht   ein   allgemein   guter   Zustand,   bei   gut   reagierender   Muskulatur,   ist   ein   „schwaches“   vorderes Kreuzband nichts, über das man sich noch Gedanken machen muß. Wichtig ist hier nicht nur die Kraft der Muskulatur, sondern auch ihre Reaktionsfähigkeit. Beim   von   mir   betreuten   Fall   ist   der   Lachmann   Test   dezent   positiv,   bei   ansonsten   gut   entwickeltem Zustand des Knies. Und das bedeutet, mit einem freudigen Lächeln im Gesicht, auf zur Phase 2. Reha Phase 2 Hier geht es um den Aufbau der Muskeln, die für die Stabilisierung des Knies zuständig sind. Und   das   ist   für   den   Patienten   eine   schweißtreibende   Angelegenheit.   Denn   hier   kommen   auch   schon einbeinige   Übungen   ins   Spiel.   Wohl   wissend,   dass   ein   plötzliches   Muskelversagen,   mit   Wegknicken   des Knies, das gerade erst wieder angewachsene Kreuzband zerreißen kann. Hier   noch   der   Hinweis:    Die   maximale   Belastbarkeit   eines   wieder   angewachsenen   Kreuzbands   wird erst nach ca. 12 Monaten erreicht. Entsprechend   vorsichtig   muss   man   mit   einbeinigen   Übungen   sein.   Auch   zuviel   Training   ist   hier   nicht wirklich förderlich. Überhaupt wird die Muskulatur auf die ungewohnten Übungen recht unterschiedlich reagieren. Abhängig     von     der,     auch     altersbedingten,     Regenerationsfähigkeit     und     dem     intramuskulären Stoffwechsel, kann es zu Verspannungen (Verklebungen) von Muskelfasern kommen. Daher    sind    Massagen    und    insbesondere    Faszienmassage    (Faszienroller)    ein    wichtiger    Bestandteil dieses Trainings. Sehr hilfreich gegen Verspannungen ist auch Kinesiologisches Tapen. Aufgrund   der   über   Monate   andauerden   Schonhaltung,   mit   entsprechender   Belastung   des   gesunden Beins, kommt es zu einer asymetrischen Belastung des gesamten Körpers. Dies ist beim Training unbedingt zu berücksichtigen. Beschwerden,    aufgrund    der    einseitigen    Belastung,    können    insbesondere    die    Hüfte,    den    unteren Rücken, die Halswirbelsäule und auch die Waden und Fußgelenke betreffen. Wer    die    Möglichkeit    hat,    zu    Beginn    von    Phase    2    einen    „Reha-Urlaub“    einzulegen,    dem    kann    ich folgendes empfehlen. 1. stressfreie Umgebung 2. Möglichkeit für die Fortführung von Muskeltraining / Faszienmassage 3. Spaziergänge im Sandstrand (Barfuß!) Beim   Training   der   Muskulatur   sollte   man   unterscheiden   zwischen   Übungen   für   den   Muskelaufbau   und Übungen für die Verbesserung der Koordination (Haltekraft / Reaktionsfähigkeit) Für    das    Muskelaufbautraining    kann    man    das   Training    aufteilen,    so    dass    man    an    einem   Tag    den Quadrizeps (Vorderen Oberschenkel) und am anderen Tag die Rückseite (Beinbizeps) trainiert. Äußerst wichtig ist auch das Training von Adduktoren, Abduktoren und Gesäß (Cluteus Maximus). Denn der große Gesäßmuskel ist maßgeblich am Gehen beteiligt und sollte unbedingt trainiert werden. Jedem,   der   eine   Ruptur   eines   Kreuzbands   hat,   empfehle   ich   möglichst   viel   über   die Anatomie   des   Knies und die Muskulatur zu lernen. Denn,   je   besser   man   in   der   Lage   ist,   selbst   sein   Knie   auf   die   richtige   Weise   zu   trainineren,   desto   größer wird auch der Erfolg sein. Zwei mal Physio pro Woche reichen nicht! Nicht umsonst werden Leistungssportler (z.B. Fußballspieler) mit täglicher Reha versorgt. Wer   eine   ähnlich   gute   Behandlung   haben   möchte,   der   braucht   entweder   sehr   viel   Geld,   oder   weiß,   bzw. lernt selbst, was er machen kann. Man   muss   lernen,   sein   Knie   zu   pflegen.   Und,   wenn   man   schon   dabei   ist,   dann   kann   man   sein   neues Wissen auch auf den ganzen Körper übertragen. Progressives   Widerstandstraining   (Training   mit   Gewichten)   in   Fitneßstudios   ist,   bei   richtiger Ausführung, vergleichbar mit Zähne putzen. Putze ich richtig, habe ich ein Leben lang schöne Beißerchen. Trainiere ich richtig, habe ich ein Leben lang einen gut funktionierenden Körper. Noch   ein   Hinweis.    Beschränken   Sie   das   Muskeltraining   nicht   auf   das   verletzte   Knie.   Trainieren   Sie unbedingt   den   gesamten   Körper.   Je   mehr   der   Körper   für   das   Muskelwachstum   stimuliert   wird,   desto besser wird er auch den Muskel entwickeln, um den es mir eigentlich geht. So   kann   also   das   Training   von   Rücken,   Brust,   Schulter   und   Armen,   auf   indirekte   Weise,   den   Muskeln am Knie beim Wachsen helfen.
Herbert Haß
Medizin
Ruptur des vorderen Kreuzbands Lange Haare wachsen nicht an einem Tag… Die   Ruptur   (Riss)   des   vorderen   Kreuzbands   gilt   als eine sehr schwere Verletzung des Knies. Je   nach   schwere   der   Verletzung   (totaler   Abriss) kann sogar eine Operation notwendig werden. So   lange   aber   die   Chance   darauf   besteht,   dass   das Band   wieder   zusammenwächst,   sollte   man   diese Chance auch nutzen. Auch wenn es viel Zeit und Arbeit erfordert. Und    wir    reden    hier    von    7    bis    12    Monaten    und täglichem Training!
Herbert Haß
Wissenschaft: Medizin
Ruptur des vorderen Kreuzbands Lange   Haare   wachsen   nicht an einem Tag… Die   Ruptur   (Riss)   des   vorderen Kreuzbands    gilt    als    eine    sehr schwere Verletzung des Knies. Je   nach   schwere   der   Verletzung (totaler     Abriss)     kann     sogar eine       Operation       notwendig werden.
Eingehen     möchte     ich     hier     auf     die     konservative     (erhaltende) Behandlung     eines     nicht     vollständigen     Abrisses     des     vorderen Kreuzbandes. Diagnose: Lachmantest: Positiv (kein Anschlag des vorderen Kreuzbands) Schubladentest: Unklar MRT:   zumindest   subtotaler   Riss   (also   fast   ganz   durch)   des   vorderen Kreuzbands) Erste Maßnahme: (Orthopädische Verordnung) Ruhigstellung mit Gehschiene: Einstellung10 bis 60 Grad. Dauer 4 Wochen. Bewegung: Krücken (beidseitig) Belastung: Maximal 10 Prozent. Reha:   - Die ersten drei Monate   - Funktionstest!   - Phase 2 Die ersten drei Monate: Wann   mit   ersten   Rehamaßnahmen   begonnen   wird,   ist   eine   Frage,   die man mit dem behandelnden Arzt individuell besprechen muß. In   dem   von   mir   betreuten   Fall   hätte   man   mit   Muskelkraft   erhaltenden Maßnahmen auch wesentlich früher beginnen können. Beginn Rehamaßnahmen ab der 6. Woche. 2 x pro Woche Mobilitätstraining mit Massage des Quadrizeps. Lymphdrainage Bewegung: Krücken (beidseitig) Belastung: Maximal 30 Prozent. Rehamaßnahmen 7. Woche. Lymphdrainage, Krankengymanstik 2 x pro Woche Bewegung: Krücken (beidseitig) Belastung: Maximal 30 Prozent. Bewegungs- und Kraftübungen im Schwimmbad 2 - 3 x pro Woche Wassertiefe: Brusttief Übungen: normales gehen, dezente Kniebeugen, Wadenheben Gymanstik (Beugung ca. 100 Grad, Streckung (nahezu volle Streckung) Täglich Rehamaßnahmen 8. Woche. Bewegung: Krücken (beidseitig) Belastung: Maximal 50 Prozent. Lymphdrainage, Krankengymanstik 2 x pro Woche Bewegungs- und Kraftübungen im Schwimmbad Wassertiefe: Brusttief bis Ansatz Bauchnabel Übungen: normales gehen, dezente Kniebeugen, Wadenheben Gymanstik (Beugung ca. 110 Grad, Streckung (nahezu volle Streckung) Täglich Isometrische Übungen (willkürliches Anspannen des Oberschenkels ohne Bewegung)  (Isometrische Übungen sollten ab der 1. Woche ausgeführt werden) Rehamaßnahmen 9. Woche. Lymphdrainage, Krankengymanstik 2 x pro Woche Bewegung: Krücken (beidseitig) Belastung: kurzfristig bis zu 100 Prozent erlaubt. Bewegungs- und Kraftübungen im Schwimmbad 2 - 3 x pro Woche Wassertiefe: Brusttief bis Hüfttief Übungen: normales gehen, dezente Kniebeugen, Wadenheben, einbeinige Übungen Gymanstik (Beugung ca. 120 Grad, Streckung (volle Streckung, ohne durchdrücken!) Krafttraining (außerhalb des Wassers) jeden 2. Tag   (Damit kann/sollte wesentlich früher begonnen werden. Hierzu gibt es jedoch    differierende Meinungen. Ist also im Einzelfall abzuwägen)   Kniebeugen, Wadenheben, Beinheben (alles ohne volle Belastung und mit Festhalten.)   Isometrische Übungen (mit Betonung auf Reflexartiges Anspannen) Rehamaßnahmen 10. Woche. Lymphdrainage, Krankengymanstik 2 x pro Woche Bewegung: Krücken (beidseitig) Belastung: zunehmend 100 Prozent. Bewegungs- und Kraftübungen im Schwimmbad 2 - 3 x pro Woche Wassertiefe: Brusttief bis Hüfttief Übungen: normales gehen, dezente Kniebeugen, Wadenheben, einbeinige Übungen Gymanstik (Beugung ca. 130 Grad, Streckung (volle Streckung, ohne durchdrücken!) Krafttraining (außerhalb des Wassers) jeden 2. Tag   Kniebeugen, Wadenheben, Beinheben (alles ohne volle Belastung und mit Festhalten.)   Isometrische Übungen Rehamaßnahmen 11. Woche. Lymphdrainage, Krankengymanstik 2 x pro Woche Bewegung: Krücken (weg damit!) Nur noch zur Sicherheit bzw. einhändig. Belastung: 100 Prozent. Empfehlung: Nicht übertreiben! Schließlich verträgt das Kreuzband kaum mehr als 10 Prozent seiner früheren Belastbarkeit. Jedes Verdrehen oder Durchdrücken ist riskant und kann zum vollständigen Abriss führen. Bewegungs- und Kraftübungen im Schwimmbad 2 - 3 x pro Woche Wassertiefe: Brusttief bis Hüfttief (teilweise weniger als Hüfttief) Übungen: normales gehen, dezente Kniebeugen, Wadenheben, einbeinige Übungen Gymanstik (Beugung ca. 140 Grad, Streckung (volle Streckung, ohne durchdrücken!) Krafttraining (außerhalb des Wassers) Täglich mit abwechselnden Übungen/Intensität.   Kniebeugen, Wadenheben, Beinheben (steigende Belastung, zunehmend ohne Festhalten.)   Isometrische Übungen Funktionstest! Wie   prüft   man   nun,   ob   das   Kreuzband   wieder   zusammenwächst   oder nicht? Ein MRT macht hier wenig Sinn, da im Knie noch zuviel „Unruhe“ herrscht, um         ein         klares         Abbild         zu         bekommen.         (Hat         mit Wasseransammlungen/Wasserstoffatomen zu tun…) Was    bleibt,    sind    manuelle    Funktionstests,    die    vom    Orthopäden    recht zuverlässig    ausgeführt    werden    können.    An    erster    Stelle    ist    hier    der Lachmann Test zu nennen. Vom   negativen   Lachmann   Test   spricht   man,   wenn   das   vordere   Kreuzband eine    normale    Funktion    zeigt.    Den    Unterschenkel    also    zuverlässig    und rechtzeitig an einer Überstreckung hindert. Positiv    ist    der    Lachmann    Test,    wenn    das    vordere    Kreuzband    nicht rechtzeitig bzw. gar nicht reagiert. Daher   wird   der   Lachmann   Test   in   Stufen   von   1   bis   5   angegeben.   Wobei   5 das    ist,    was    man    nicht    haben    will    und    einen    über    eine    Operation nachdenken lässt. Ein   dezent   positiver   Lachmann   Test   hingegen   bedeutet   zwar,   dass   das vordere    Kreuzband    nicht    optimal    funktioniert,    aber    doch    ausreichend genug, für eine zukünftige volle Belastbarkeit. Maßgeblich   für   ein   gesundes   Knie,   bei   dezent   positivem   Lachmann   Test, ist   die   grundsätzliche   Stabilität   des   Knies.   Und   die   ist   abhängig   von   allen übrigen   Bändern   (Hinteres   Kreuzband,   Innenband,   Außenband,   Patella) und   aller   Muskeln,   die   direkt   oder   indirekt   an   den   Bewegungen   des   Knies beteiligt sind. Besteht   ein   allgemein   guter   Zustand,   bei   gut   reagierender   Muskulatur,   ist ein   „schwaches“   vorderes   Kreuzband   nichts,   über   das   man   sich   noch Gedanken machen muß. Wichtig   ist   hier   nicht   nur   die   Kraft   der   Muskulatur,   sondern   auch   ihre Reaktionsfähigkeit. Beim   von   mir   betreuten   Fall   ist   der   Lachmann   Test   dezent   positiv,   bei ansonsten gut entwickeltem Zustand des Knies. Und   das   bedeutet,   mit   einem   freudigen   Lächeln   im   Gesicht,   auf   zur   Phase 2. Reha Phase 2 Hier   geht   es   um   den   Aufbau   der   Muskeln,   die   für   die   Stabilisierung   des Knies zuständig sind. Und   das   ist   für   den   Patienten   eine   schweißtreibende Angelegenheit.   Denn hier   kommen   auch   schon   einbeinige   Übungen   ins   Spiel.   Wohl   wissend, dass    ein    plötzliches    Muskelversagen,    mit    Wegknicken    des    Knies,    das gerade erst wieder angewachsene Kreuzband zerreißen kann. Hier    noch    der    Hinweis:     Die    maximale    Belastbarkeit    eines    wieder angewachsenen Kreuzbands wird erst nach ca. 12 Monaten erreicht. Entsprechend   vorsichtig   muss   man   mit   einbeinigen   Übungen   sein.   Auch zuviel Training ist hier nicht wirklich förderlich. Überhaupt    wird    die    Muskulatur    auf    die    ungewohnten    Übungen    recht unterschiedlich reagieren. Abhängig   von   der,   auch   altersbedingten,   Regenerationsfähigkeit   und   dem intramuskulären   Stoffwechsel,   kann   es   zu   Verspannungen   (Verklebungen) von Muskelfasern kommen. Daher   sind   Massagen   und   insbesondere   Faszienmassage   (Faszienroller) ein wichtiger Bestandteil dieses Trainings. Sehr hilfreich gegen Verspannungen ist auch Kinesiologisches Tapen. Aufgrund   der   über   Monate   andauerden   Schonhaltung,   mit   entsprechender Belastung    des    gesunden    Beins,    kommt    es    zu    einer    asymetrischen Belastung des gesamten Körpers. Dies ist beim Training unbedingt zu berücksichtigen. Beschwerden,   aufgrund   der   einseitigen   Belastung,   können   insbesondere die   Hüfte,   den   unteren   Rücken,   die   Halswirbelsäule   und   auch   die   Waden und Fußgelenke betreffen. Wer   die   Möglichkeit   hat,   zu   Beginn   von   Phase   2   einen   „Reha-Urlaub“ einzulegen, dem kann ich folgendes empfehlen. 1. stressfreie Umgebung 2. Möglichkeit für die Fortführung von Muskeltraining / Faszienmassage 3. Spaziergänge im Sandstrand (Barfuß!) Beim     Training     der     Muskulatur     sollte     man     unterscheiden     zwischen Übungen   für   den   Muskelaufbau   und   Übungen   für   die   Verbesserung   der Koordination (Haltekraft / Reaktionsfähigkeit) Für   das   Muskelaufbautraining   kann   man   das   Training   aufteilen,   so   dass man   an   einem   Tag   den   Quadrizeps   (Vorderen   Oberschenkel)   und   am anderen Tag die Rückseite (Beinbizeps) trainiert. Äußerst   wichtig   ist   auch   das   Training   von   Adduktoren,   Abduktoren   und Gesäß (Cluteus Maximus). Denn   der   große   Gesäßmuskel   ist   maßgeblich   am   Gehen   beteiligt   und sollte unbedingt trainiert werden. Jedem,   der   eine   Ruptur   eines   Kreuzbands   hat,   empfehle   ich   möglichst   viel über die Anatomie des Knies und die Muskulatur zu lernen. Denn,   je   besser   man   in   der   Lage   ist,   selbst   sein   Knie   auf   die   richtige Weise zu trainineren, desto größer wird auch der Erfolg sein. Zwei mal Physio pro Woche reichen nicht! Nicht   umsonst   werden   Leistungssportler   (z.B.   Fußballspieler)   mit   täglicher Reha versorgt. Wer   eine   ähnlich   gute   Behandlung   haben   möchte,   der   braucht   entweder sehr viel Geld, oder weiß, bzw. lernt selbst, was er machen kann. Man   muss   lernen,   sein   Knie   zu   pflegen.   Und,   wenn   man   schon   dabei   ist, dann    kann    man    sein    neues    Wissen    auch    auf    den    ganzen    Körper übertragen. Progressives       Widerstandstraining       (Training       mit       Gewichten)       in Fitneßstudios ist, bei richtiger Ausführung, vergleichbar mit Zähne putzen. Putze ich richtig, habe ich ein Leben lang schöne Beißerchen. Trainiere   ich   richtig,   habe   ich   ein   Leben   lang   einen   gut   funktionierenden Körper. Noch   ein   Hinweis.    Beschränken   Sie   das   Muskeltraining   nicht   auf   das verletzte   Knie.   Trainieren   Sie   unbedingt   den   gesamten   Körper.   Je   mehr der   Körper   für   das   Muskelwachstum   stimuliert   wird,   desto   besser   wird   er auch den Muskel entwickeln, um den es mir eigentlich geht. So   kann   also   das   Training   von   Rücken,   Brust,   Schulter   und   Armen,   auf indirekte Weise, den Muskeln am Knie beim Wachsen helfen.