The Bosback-Effect Autor: Haß, 18.07.2017 In   einer   Diskussionsrunde   wird   ein   Teilnehmer,   durch   die   Worte   eines   anderen   Teilnehmers,   so sehr echauffiert, dass er jede weitere Diskussion ablehnt und die Diskussionsrunde verlässt. Kann eine persönliche Meinung Konflikte auslösen? In einem Land, in dem Meinungsfreiheit besteht? Wenn   wirklich   Meinungsfreiheit   besteht,   dann   kann   jeder   seine   persönliche   Meinung   frei   äußern, ohne   dass   die   Gefahr   besteht,   dafür   in   Konflikte   zu   geraten.   Und   zwar   egal,   wie   falsch   diese Meinung   auch   ist.   So   lange   sie   keine   Beleidigung   beinhaltet,   ist   es   eine   private   Meinung,   die   man auch äußern darf. Für   eine   Meinung,   auch   wenn   es   eine   de   Facto   falsche   Meinung   ist,   sollte   niemand   verurteilt werden. Bestenfalls nachsichtig belächelt. Wir    erinnern    uns    an    Galileo    Gallilei?    Seine    Meinung    bezüglich    der    Sonne    als    Zentrum    des Sonnensystems war richtig. Trotzdem wurde er dafür verurteilt. Die   Meinung   der   Kirche   bezüglich   Darwins   Evolutionstheorie   war   falsch.   Nur   wurde   die   Kirche dafür nie verurteilt, bestenfalls belächelt… Ob    eine    Meinung    ignoriert,    belächelt    wird,    oder    ob    sie    wütende    Reaktionen    hervorruft,    ist abhängig davon, wer sie wem gegenüber ausspricht. Doch   ist   es   richtig,   sich   in   einer   öffentlichen   Diskussion   von   Worten,   und   wenn   sie   noch   so   falsch sind, zu emotionalen Reaktionen hinreißen zu lassen? Probleme löst man mit Sachlichkeit. Probleme schafft man mit Emotionalität. Oder   gibt   es   einen   einzigen   dokumentierten   Krieg,   der   nicht   durch   Worte   ausgelöst   und   letztlich durch Worte (z. B. Kapitulation) beendet wurde? Sind es nicht Worte, die den Griff zum Schwert auslösen? Sind es nicht Worte, die unsere Emotionen befeuern, wie kaum etwas anderes? ‘‘Worte, die den Tod bringen, bringen den Tod, als Ende aller Worte. - Gedachte Worte sind besser als Geschriebene. - Geschriebene Worte sind besser als Gesprochene. Wenn ich denke: „Du bist ein Arschloch.“ hat dies keine Konsequenzen. Wenn ich schreibe: „Du bist ein Arschloch.“ wird dies Konsequenzen haben. Wenn ich sage: „Du bist ein Arschloch.“ werden die Konsequenzen größer sein… Ab wann sind Worte eine Beleidigung? „Ich halte Herrn Somebody für ein Arschloch.“ Dies   ist   eine   rein   private   Meinung.   Beleidigung?   Warum   soll   man   sich   von   einer   privaten   Meinung beleidigt fühlen? „Herr Somebody ist ein Arschloch.“ Dies   ist   eine   Behauptung.   Beleidigung?   Eine   Behauptung   ist   nur   relevant,   wenn   sie   bewiesen werden kann. Man kann sich von einer Behauptung beleidigt fühlen. Muss aber nicht so sein… „Herr Somebody, du bist ein Arschloch.“ Dies ist eine Beleidigung, wenn sie als Beleidigung empfunden wird. Ob   man   etwas   als   Beleidigung   empfindet,   ist   abhängig   davon,   ob   man   dem   Beleidiger   eine Bedeutung   zugesteht.   Bei   einer   uns   vollkommen   unbekannten   Person,   die   uns   auf   der   Straße Worte hinterher wirft, wird das Gefühl, „Beleidigt“ worden zu sein, eher klein ausfallen. In   jedem   Fall   wird   es   eine   andere   Qualität   haben,   als   eine   Beleidigung,   die   von   einer   Person ausgesprochen wird, mit der wir in sozialem Kontakt stehen. Besonders   schwer   wiegen   Beleidigungen,   wenn   sie   von   Personen   kommen,   mit   denen   wir   im sozialen Kontakt stehen und die uns auch noch unsympathisch sind. Ergo:  Die Qualität der Schwere der empfundenen Beleidigung, ist abhängig von der sozialen           Beziehung und den Emotionen, die man dem Beleidiger entgegenbringt. Was jetzt kommt ist pure Ironie! Je   stärker   man   gegen   die   Beleidigung   vorgeht,   desto   größer   ist   die   Wertschätzung,   die   man   dem Beleidiger entgegenbringt!!! Immerhin   wird   diese   Person,   wenn   man   die   Beleidigung   “annimmt”,   von   so   großer   Bedeutung, dass   man   beträchtlichen   zeitlichen   und   gedanklichen   Aufwand   betreibt,   um   sich   mit   dieser   Person zu beschäftigen. Sie bekommt eine beträchtliche Aufmerksamkeit. Man beschäftigt sich also mit jemandem, der eigentliche keine Aufmerksamkeit verdient! WOW! Hey! Ironie! Yeaahhh…. Tatsächlich ist die Sache noch etwas komplexer. Beleidigung   und   die   Reaktion   auf   die   Beleidigung,   bedeutet   die   Initiierung   und   Austragung   eines Konflikts. Die   Fähigkeit   zum   Konflikt   ist   eine   ziemlich   ausgeprägte   Fähigkeit   des   Menschen   und   Bestandteil seiner   evolutionären   sozialen   Struktur.   Die   Fähigkeit   zum   Konflikt   ist   eine   treibende   Kraft   für kognitives Denken. Und damit auch für die wissenschaftliche und technologische Entwicklung. Hätten wir Atombomben, wenn uns das Konzept des Konflikts fremd wäre??? Und was ist nun der Bosback-Effect? Sagen   wir,   es   ist,   wenn   ich   mich   durch   andere   auf   emotionaler   Ebene   dazu   stimulieren   lasse, meine eigene Meinung nicht mehr zu äußern. Wenn ich also dazu bewegt werde, mich zurück zu ziehen (back…). Dabei   ist   der   Bosback-Effect   auf   keinen   Fall   negativ   zu   verstehen!   Denn   jeder   hat   das   Recht   dazu, zu sagen: “Ich habe keine Lust mehr an weiterer Konversation.” Anmerkungen: Wertschätzung: Das Wahrnehmen eines Menschen als bedeutsame Person. Positive Wertschätzung: Anerkennung, Lob, bis hin zum Bejubeln. Negative Wertschätzung: Ablehnung, bis hin zum Ausbuhen. Keine Wertschätzung: Ignorieren, Ausgrenzen. Keine   Wertschätzung   und   negative   Wertschätzung   können   Depressionen   auslösen.   Je   sensibler   ein Mensch ist, umso anfälliger ist er hierfür. Es gibt „Prominente“, für die ist negative Wertschätzung die Basis ihres wirtschaftlichen Erfolgs! Sozusagen   eine   besondere   Form   der   Ironie:   „Das,   was   mich   leiden   lässt   (lassen   sollte),   macht mich reich!“
Soziologie
Herbert Haß
The Bosback-Effect Autor: Haß, 18.07.2017 In   einer   Diskussionsrunde   wird   ein   Teilnehmer,   durch   die   Worte   eines anderen    Teilnehmers,    so    sehr    echauffiert,    dass    er    jede    weitere Diskussion ablehnt und die Diskussionsrunde verlässt. Kann eine persönliche Meinung Konflikte auslösen? In einem Land, in dem Meinungsfreiheit besteht? Wenn    wirklich    Meinungsfreiheit    besteht,    dann    kann    jeder    seine persönliche   Meinung   frei   äußern,   ohne   dass   die   Gefahr   besteht,   dafür   in Konflikte   zu   geraten.   Und   zwar   egal,   wie   falsch   diese   Meinung   auch   ist. So   lange   sie   keine   Beleidigung   beinhaltet,   ist   es   eine   private   Meinung, die man auch äußern darf. Für   eine   Meinung,   auch   wenn   es   eine   de   Facto   falsche   Meinung   ist, sollte niemand verurteilt werden. Bestenfalls nachsichtig belächelt. Wir   erinnern   uns   an   Galileo   Gallilei?   Seine   Meinung   bezüglich   der   Sonne als   Zentrum   des   Sonnensystems   war   richtig.   Trotzdem   wurde   er   dafür verurteilt. Die   Meinung   der   Kirche   bezüglich   Darwins   Evolutionstheorie   war   falsch. Nur wurde die Kirche dafür nie verurteilt, bestenfalls belächelt… Ob    eine    Meinung    ignoriert,    belächelt    wird,    oder    ob    sie    wütende Reaktionen    hervorruft,    ist    abhängig    davon    wer    sie    wem    gegenüber ausspricht. Doch   ist   es   richtig   sich   in   einer   öffentlichen   Diskussion   von   Worten,   und wenn   sie   noch   so   falsch   sind,   zu   emotionalen   Reaktionen   hinreißen   zu lassen? Probleme    löst    man    mit    Sachlichkeit.    Probleme    schafft    man    mit Emotionalität. Oder   gibt   es   einen   einzigen   dokumentierten   Krieg,   der   nicht   durch Worte   ausgelöst   und   letztlich   durch   Worte   (z.   B.   Kapitulation)   beendet wurde? Sind es nicht Worte, die den Griff zum Schwert auslösen? Sind   es   nicht   Worte,   die   unsere   Emotionen   befeuern,   wie   kaum   etwas anderes? ‘‘Worte, die den Tod bringen, bringen den Tod, als Ende aller Worte. - Gedachte Worte sind besser als Geschriebene. - Geschriebene Worte sind besser als Gesprochene. Wenn ich denke: „Du bist ein Arschloch.“ hat dies keine Konsequenzen. Wenn   ich   schreibe:   „Du   bist   ein   Arschloch.“   wird   dies   Konsequenzen haben. Wenn   ich   sage:   „Du   bist   ein   Arschloch.“   werden   die   Konsequenzen größer sein… Ab wann sind Worte eine Beleidigung? „Ich halte Herrn Somebody für ein Arschloch.“ Dies   ist   eine   rein   private   Meinung.   Beleidigung?   Warum   soll   man   sich von einer privaten Meinung beleidigt fühlen? „Herr Somebody ist ein Arschloch.“ Dies    ist    eine    Behauptung.    Beleidigung?    Eine    Behauptung    ist    nur relevant,   wenn   sie   bewiesen   werden   kann.   Man   kann   sich   von   einer Behauptung beleidigt fühlen. Muss aber nicht so sein… „Herr Somebody, du bist ein Arschloch.“ Dies ist eine Beleidigung, wenn sie als Beleidigung empfunden wird. Ob   man   etwas   als   Beleidigung   empfindet   ist   abhängig   davon,   ob   man dem   Beleidiger   eine   Bedeutung   zugesteht.   Bei   einer   uns   vollkommen unbekannten   Person,   die   uns   auf   der   Straße   Worte   hinterher   wirft,   wird das Gefühl „Beleidigt“ worden zu sein eher klein ausfallen. In   jedem   Fall   wird   es   eine   andere   Qualität   haben,   als   eine   Beleidigung, die    von    einer    Person    ausgesprochen    wird,    mit    der    wir    in    sozialem Kontakt stehen. Besonders    schwer    wiegen    Beleidigungen,    wenn    sie    von    Personen kommen,   mit   denen   wir   im   sozialen   Kontakt   stehen   und   die   uns   auch noch unsympathisch sind. Ergo:     Die    Qualität    der    Schwere,    der    empfundenen    Beleidigung,    ist                      abhängig   von   der   sozialen   Beziehung   und   den   Emotionen,   die            man dem Beleidiger entgegenbringt. Was jetzt kommt ist pure Ironie! Je   stärker   man   gegen   die   Beleidigung   vorgeht,   desto   größer   ist   die Wertschätzung, die man dem Beleidiger entgegenbringt!!! Immerhin   wird   diese   Person,   wenn   man   die   Beleidigung   “annimmt”,   von so     großer     Bedeutung,     dass     man     beträchtlichen     zeitlichen     und gedanklichen     Aufwand     betreibt,     um     sich     mit     dieser     Person     zu beschäftigen. Sie bekommt eine beträchtliche Aufmerksamkeit. Man    beschäftigt    sich    also    mit    jemandem,    der    eigentliche    keine Aufmerksamkeit verdient! WOW! Hey! Ironie! Yeaahhh…. Tatsächlich ist die Sache noch etwas komplexer. Beleidigung    und    die    Reaktion    auf    die    Beleidigung,    bedeutet    die Initiierung und Austragung eines Konflikts. Die   Fähigkeit   zum   Konflikt   ist   eine   ziemlich   ausgeprägte   Fähigkeit   des Menschen   und   Bestandteil   seiner   evolutionären   sozialen   Struktur.   Die Fähigkeit   zum   Konflikt   ist   eine   treibende   Kraft   für   kognitives   Denken. Und     damit     auch     für     die     Wissenschaftliche     und     Technologische Entwicklung. Hätten   wir   Atombomben,   wenn   uns   das   Konzept   des   Konflikts   fremd wäre??? Und was ist nun der Bosback-Effect? Sagen   wir,   es   ist,   wenn   ich   mich   durch   andere   auf   emotionaler   Ebene dazu stimulieren lasse, meine eigene Meinung nicht mehr zu äußern. Wenn ich also dazu bewegt werde, mich zurück zu ziehen (back…). Dabei   ist   der   Bosback-Effect   auf   keinen   Fall   negativ   zu   verstehen!   Denn jeder   hat   das   Recht   dazu   zu   sagen:   “Ich   habe   keine   Lust   mehr   an weiterer Konversation.” Anmerkungen: Wertschätzung: Das Wahrnehmen eines Menschen als bedeutsame Person. Positive Wertschätzung: Anerkennung, Lob, bis hin zum Bejubeln. Negative Wertschätzung: Ablehnung, bis hin zum Ausbuhen. Keine Wertschätzung: Ignorieren, Ausgrenzen. Keine       Wertschätzung       und       Negative       Wertschätzung       können Depressionen   auslösen.   Je   sensibler   ein   Mensch   ist,   umso   anfälliger   ist er hierfür. Es   gibt   „Prominente“,   für   die   ist   Negative   Wertschätzung   die   Basis   ihres wirtschaftlichen Erfolgs! Sozusagen   eine   besondere   Form   der   Ironie:   „Das,   was   mich   leiden   lässt (lassen sollte), macht mich Reich!“
Wissenschaft: Soziologie
Herbert Haß