Mobbing im Sport Autor: Haß, 15.11.2017 Mobbing ist Ausgrenzung. Mobbing   ist   der   Versuch,   einen   Menschen   in   einer   Form   zu   diskriminieren,   dass   seine   Psyche leidet. Mobbing verfolgt die Absicht, einen Menschen zu unterdrücken. Mobbing verfolgt die Absicht, einen Menschen aus seinem sozialen Umfeld zu vertreiben. Mobbing ist das Gegenteil von Fairness. Im Sport, insbesondere in Mannschaftssportarten, gilt das Prinzip der Fairness. Die gilt auch für Kontaktsportarten. Ein bewusstes Schlagen, wie beim Boxen, ist keine Voraussetzung für die Definition Kontaktsport. Kontakt   bedeutet,   dass   es   zu   körperlichen   Berührungen   kommt.   Diese   können   passiv   oder   aktiv sein. Die Stärke einer Berührung kann von kaum spürbar bis äußerst schmerzvoll reichen. Auch Fußball ist damit eine Kontaktsportart. Das Ausmaß dieses Kontakts unterliegt strengen Regeln. Dabei darf ein Kontakt zwar stark, aber niemals verletzend sein. Ein Kontakt darf nicht das Ziel haben, den Gegner zu Fall zu bringen. Der Einsatz von Ellenbogen und Händen ist während eines Kontakts nicht zulässig. Jede Form von Tätlichkeit gilt als Regelverstoß und wird entsprechend bestraft. Die   Frage   ist   nun,   ob   es   während   eines   Fußballspiels   zu   Situationen   kommen   kann,   die   als Mobbing bewertet werden können. Vergleichen wir es mit einer Firma. Der   Chef   als   oberste   Instanz   der   Firma   bestimmt   die   Regeln,   die   den   Umfang   und   die   Termine   der Arbeit   betreffen.   Zudem   ist   er   zuständig   für   die   Schlichtung   von   Streitigkeiten.   Hierzu   kann   zudem der Betriebsrat eingeschaltet werden. Kommt es in der Firma nun zu Mobbing und der Chef erfährt davon, muss er handeln. Unterstützt   der   dabei   denjenigen,   der   das   Mobbing   praktiziert,   macht   sich   der   Chef   einer   passiven Mittäterschaft schuldig. Mobbing ist eine strafbare Handlung und kann gerichtlich geahndet werden. Mobbing kann zu Depression führen und im Extremfall auch zum Suizid! Fußball ist ein sehr emotionales Spiel. Es ist ein Kampfspiel. Aus    militärischer    Sicht    ist    es    ein    Manöver    zweier    Armeen,    die    hier    ohne    Waffen    und    ohne Verletzungsabsicht agieren. Die   Gefahr   beim   Fußball   ist,   dass   das   Gefühl   „Gewinnen   zu   müssen“   so   stark   werden   kann,   dass das Bewusstsein für die Einhaltung von Regeln ausgeschaltet wird. Die   Folge   ist   der   Einsatz   von   regelwidrigem   körperlichem   Kontakt   und   provozierenden   verbalen Äußerungen. Im Fußball gibt es einen Schiedsrichter. Die Hauptaufgabe des Schiedsrichters ist es, für die Einhaltung der Regeln zu sorgen. Diese   umfassen   nicht   nur   die   Organisation   des   Spielbetriebs,   sondern   insbesondere   auch   die Regeln für den Umfang jedes körperlichen Kontakts. Lässt   ein   Schiedsrichter   es   zu,   dass   es   zu   wiederholtem   unfairen   und   verletzenden   Kontakt kommt, trägt er Mitschuld an etwaigen physischen und psychischen Verletzungen. Diese   Mitschuld   besteht   aus   moralischer   Sicht   auch   dann,   wenn   er   selbst   durch   sein   Tolerieren gegen keine für ihn geltende Regel verstößt. Die Mitschuld definiert sich auf rein menschlicher Ebene. Ein   Prinzip   zur   Wahrung   des   Selbstbewusstseins   ist   die   Selbstbehauptung.   Diese   beinhaltet   die Fähigkeit, sich gegen Angriffe zur Wehr setzen zu können. Diese Selbstbehauptung ist beim Fußballspiel außer Kraft gesetzt. Einem unfair attackierten Spieler ist es nicht möglich, sich aus eigener Kraft zur Wehr zu setzen. Geschieht     die     unfaire     Attacke     in     wiederholter     Weise,     entsteht     ein     nicht     auflösbares Aggressionspotential. Die   Aufgabe   des   Schiedsrichters   ist   es,   durch   geeignete   Maßnahmen,   wie   Verwarnung,   Freistoß, gelbe und rote Karten, den gefoulten Spieler bezüglich der Selbstbehauptung zu „vertreten“. Das Gefühl der „erlebten“ Gerechtigkeit kann dann die Aggression auflösen. Erfolgt    hingegen    keine    Intervention    durch    den    Schiedsrichter,    erfährt    die    Aggression    eine zusätzliche Steigerung. Das   Gefühl   der   erlebten   Ungerechtigkeit   steigert   die   emotionale   Wirkung,   die   durch   die   unfaire Attacke ausgelöst wurde. Es entsteht eine negative Grundstimmung. Der   Wunsch,   ein   positives   Erlebnis,   in   Form   der   Ausübung   einer   gemeinschaftlichen   Sportart,   zu erleben, wird nicht erfüllt. Stattdessen entsteht der primäre Wunsch, Gerechtigkeit zu erleben. Jeder   Mensch,   der   bedrängt   wird,   erreicht   irgendwann   ein   emotionales   Niveau,   das   ihm   keine andere Wahl mehr lässt, als emotional zu reagieren. Die Betonung liegt hier auf Reaktion. Denn der gefoulte Spieler hat schließlich nicht aktiv darum gebeten, gefoult zu werden. Sport    kann    genutzt    werden,    um    Aggressionen,    die    sich    durch    alltäglichen    Stress    aufbauen, abzubauen. Durch   die   sportliche   Bewegung   und   die   soziale   Interaktion,   die   durchaus   kämpferisch   sein   darf, dabei   aber   im   Rahmen   der   Regeln   und   Fairness   bleiben   muss,   können   Aggressionen   effektiv abgebaut werden. Führt    der    Sport    jedoch    zu    einer    Erhöhung    der    Aggression,    weil    es    zu    Unfairness    und Ungerechtigkeit   gekommen   ist,   kann   die   bestehende   Aggression   nicht   reduziert   werden,   sondern wird stattdessen auch noch erhöht. Dies führt zu Erhöhung von psychischem Stress. Psychischer   Stress   in   Verbindung   mit   Ausgrenzung   kann   die   Ursache   für   das   Entstehen   einer Depression sein. Fußballspieler,   die   absichtlich   durchgeführten   unfairen   Attacken   ausgesetzt   werden,   erleben   damit eine   über   die   Körpersprache   durchgeführte   Form   des   Mobbings.   Insbesondere,   wenn   der   foulende Gegenspieler sich für das Foul nicht entschuldigt. Die   Wirkung   dieses   Mobbings   wird   zwar   reduziert   durch   den   Umstand,   dass   es   nicht   aus   dem eigenen sozialen Umfeld kommt,  ist aber in seiner Grundwirkung dennoch vorhanden. Wenn   nun   seitens   des   Schiedsrichters   ein   absichtliches   und   wiederholt   durchgeführtes   unfaires Foulspiel nicht geahndet wird, kommt das Mobbing in indirekter Form vom Schiedsrichter. Eine solche Sichtweise mag sich jetzt sehr extrem anfühlen. Doch wir sollten nicht vergessen, dass Depressionen mittlerweile als Volkskrankheit gelten. Und wir sollten uns die Frage stellen, ob wir nicht wenigstens beim Sport in der Lage sind, uns kameradschaftlich zu verhalten. Sport ist zur physischen und psychischen Gesunderhaltung ein sehr wirksames Mittel. Man   muss   es   als   tragisch   bezeichnen,   wenn   durch   Fehlverhalten,   aus   welchen   Gründen   auch immer, das Gegenteil erreicht wird. In der Massensportart Fußball stehen die Schiedsrichter in einer besonderen Verantwortung. Sie müssen nicht nur ein Spiel regeln. Sie müssen auch dafür sorgen, dass es ein gerechtes Spiel ist. Schiedsrichtern muss bewusst sein, dass jedes ungerechte Verhalten eine negative Wirkung hat. Es gibt Menschen, auf die wirkt es enttäuschend und deprimierend. Es gibt aber auch Menschen, die es so verstehen, dass ungerechtes Verhalten zum Ziel führt. Aus dieser Warte betrachtet, sind Schiedsrichter auch „Erzieher“. Und wenn sie als „Erzieher“ versagen, hat das immer eine negative soziale Wirkung. Brauchen wir noch mehr negative soziale Wirkung, als wir ohnehin schon haben? Wollen wir beim Sport nicht doch lieber fair bleiben? Egal, ob Spieler oder Schiedsrichter, Trainer oder Fan, Fairness ist die helle Seite der Seele.
Soziologie
Herbert Haß
Wissenschaft: Soziologie
Herbert Haß
Mobbing im Sport Autor: Haß, 15.11.2017 Mobbing ist Ausgrenzung. Mobbing    ist    der    Versuch,    einen    Menschen    in    einer    Form    zu diskriminieren, dass seine Psyche leidet. Mobbing verfolgt die Absicht, einen Menschen zu unterdrücken. Mobbing   verfolgt   die   Absicht,   einen   Menschen   aus   seinem   sozialen Umfeld zu vertreiben. Mobbing ist das Gegenteil von Fairness. Im   Sport,   insbesondere   in   Mannschaftssportarten,   gilt   das   Prinzip der Fairness. Die gilt auch für Kontaktsportarten. Ein   bewusstes   Schlagen,   wie   beim   Boxen,   ist   keine   Voraussetzung für die Definition Kontaktsport. Kontakt    bedeutet,    dass    es    zu    körperlichen    Berührungen    kommt. Diese können passiv oder aktiv sein. Die   Stärke   einer   Berührung   kann   von   kaum   spürbar   bis   äußerst schmerzvoll reichen. Auch Fußball ist damit eine Kontaktsportart. Das Ausmaß dieses Kontakts unterliegt strengen Regeln. Dabei darf ein Kontakt zwar stark, aber niemals verletzend sein. Ein Kontakt darf nicht das Ziel haben, den Gegner zu Fall zu bringen. Der   Einsatz   von   Ellenbogen   und   Händen   ist   während   eines   Kontakts nicht zulässig. Jede     Form     von     Tätlichkeit     gilt     als     Regelverstoß     und     wird entsprechend bestraft. Die   Frage   ist   nun,   ob   es   während   eines   Fußballspiels   zu   Situationen kommen kann, die als Mobbing bewertet werden können. Vergleichen wir es mit einer Firma. Der   Chef   als   oberste   Instanz   der   Firma   bestimmt   die   Regeln,   die   den Umfang   und   die   Termine   der   Arbeit   betreffen.   Zudem   ist   er   zuständig für    die    Schlichtung    von    Streitigkeiten.    Hierzu    kann    zudem    der Betriebsrat eingeschaltet werden. Kommt   es   in   der   Firma   nun   zu   Mobbing   und   der   Chef   erfährt   davon, muss er handeln. Unterstützt   der   dabei   denjenigen,   der   das   Mobbing   praktiziert,   macht sich der Chef einer passiven Mittäterschaft schuldig. Mobbing   ist   eine   strafbare   Handlung   und   kann   gerichtlich   geahndet werden. Mobbing   kann   zu   Depression   führen   und   im   Extremfall   auch   zum Suizid! Fußball ist ein sehr emotionales Spiel. Es ist ein Kampfspiel. Aus   militärischer   Sicht   ist   es   ein   Manöver   zweier   Armeen,   die   hier ohne Waffen und ohne Verletzungsabsicht agieren. Die   Gefahr   beim   Fußball   ist,   dass   das   Gefühl   „Gewinnen   zu   müssen“ so   stark   werden   kann,   dass   das   Bewusstsein   für   die   Einhaltung   von Regeln ausgeschaltet wird. Die   Folge   ist   der   Einsatz   von   regelwidrigem   körperlichem   Kontakt und provozierenden verbalen Äußerungen. Im Fußball gibt es einen Schiedsrichter. Die   Hauptaufgabe   des   Schiedsrichters   ist   es,   für   die   Einhaltung   der Regeln zu sorgen. Diese    umfassen    nicht    nur    die    Organisation    des    Spielbetriebs, sondern    insbesondere    auch    die    Regeln    für    den    Umfang    jedes körperlichen Kontakts. Lässt   ein   Schiedsrichter   es   zu,   dass   es   zu   wiederholtem   unfairen   und verletzenden    Kontakt    kommt,    trägt    er    Mitschuld    an    etwaigen physischen und psychischen Verletzungen. Diese   Mitschuld   besteht   aus   moralischer   Sicht   auch   dann,   wenn   er selbst    durch    sein    Tolerieren    gegen    keine    für    ihn    geltende    Regel verstößt. Die Mitschuld definiert sich auf rein menschlicher Ebene. Ein      Prinzip      zur      Wahrung      des      Selbstbewusstseins      ist      die Selbstbehauptung.     Diese     beinhaltet     die     Fähigkeit,     sich     gegen Angriffe zur Wehr setzen zu können. Diese Selbstbehauptung ist beim Fußballspiel außer Kraft gesetzt. Einem    unfair    attackierten    Spieler    ist    es    nicht    möglich,    sich    aus eigener Kraft zur Wehr zu setzen. Geschieht   die   unfaire   Attacke   in   wiederholter   Weise,   entsteht   ein nicht auflösbares Aggressionspotential. Die   Aufgabe   des   Schiedsrichters   ist   es,   durch   geeignete   Maßnahmen, wie    Verwarnung,    Freistoß,    gelbe    und    rote    Karten,    den    gefoulten Spieler bezüglich der Selbstbehauptung zu „vertreten“. Das   Gefühl   der   „erlebten“   Gerechtigkeit   kann   dann   die   Aggression auflösen. Erfolgt   hingegen   keine   Intervention   durch   den   Schiedsrichter,   erfährt die Aggression eine zusätzliche Steigerung. Das    Gefühl    der    erlebten    Ungerechtigkeit    steigert    die    emotionale Wirkung, die durch die unfaire Attacke ausgelöst wurde. Es entsteht eine negative Grundstimmung. Der   Wunsch,   ein   positives   Erlebnis,   in   Form   der   Ausübung   einer gemeinschaftlichen     Sportart,     zu     erleben,     wird     nicht     erfüllt. Stattdessen entsteht der primäre Wunsch, Gerechtigkeit zu erleben. Jeder     Mensch,     der     bedrängt     wird,     erreicht     irgendwann     ein emotionales   Niveau,   das   ihm   keine   andere   Wahl   mehr   lässt,   als emotional zu reagieren. Die Betonung liegt hier auf Reaktion. Denn   der   gefoulte   Spieler   hat   schließlich   nicht   aktiv   darum   gebeten, gefoult zu werden. Sport    kann    genutzt    werden,    um    Aggressionen,    die    sich    durch alltäglichen Stress aufbauen, abzubauen. Durch    die    sportliche    Bewegung    und    die    soziale    Interaktion,    die durchaus   kämpferisch   sein   darf,   dabei   aber   im   Rahmen   der   Regeln und   Fairness   bleiben   muss,   können   Aggressionen   effektiv   abgebaut werden. Führt   der   Sport   jedoch   zu   einer   Erhöhung   der   Aggression,   weil   es   zu Unfairness   und   Ungerechtigkeit   gekommen   ist,   kann   die   bestehende Aggression   nicht   reduziert   werden,   sondern   wird   stattdessen   auch noch erhöht. Dies führt zu Erhöhung von psychischem Stress. Psychischer   Stress   in   Verbindung   mit   Ausgrenzung   kann   die   Ursache für das Entstehen einer Depression sein. Fußballspieler,    die    absichtlich    durchgeführten    unfairen    Attacken ausgesetzt    werden,    erleben    damit    eine    über    die    Körpersprache durchgeführte   Form   des   Mobbings.   Insbesondere,   wenn   der   foulende Gegenspieler sich für das Foul nicht entschuldigt. Die    Wirkung    dieses    Mobbings    wird    zwar    reduziert    durch    den Umstand,   dass   es   nicht   aus   dem   eigenen   sozialen   Umfeld   kommt,     ist aber in seiner Grundwirkung dennoch vorhanden. Wenn     nun     seitens     des     Schiedsrichters     ein     absichtliches     und wiederholt   durchgeführtes   unfaires   Foulspiel   nicht   geahndet   wird, kommt das Mobbing in indirekter Form vom Schiedsrichter. Eine solche Sichtweise mag sich jetzt sehr extrem anfühlen. Doch   wir   sollten   nicht   vergessen,   dass   Depressionen   mittlerweile   als Volkskrankheit gelten. Und   wir   sollten   uns   die   Frage   stellen,   ob   wir   nicht   wenigstens   beim Sport in der Lage sind, uns kameradschaftlich zu verhalten. Sport   ist   zur   physischen   und   psychischen   Gesunderhaltung   ein   sehr wirksames Mittel. Man   muss   es   als   tragisch   bezeichnen,   wenn   durch   Fehlverhalten,   aus welchen Gründen auch immer, das Gegenteil erreicht wird. In   der   Massensportart   Fußball   stehen   die   Schiedsrichter   in   einer besonderen Verantwortung. Sie müssen nicht nur ein Spiel regeln. Sie müssen auch dafür sorgen, dass es ein gerechtes Spiel ist. Schiedsrichtern   muss   bewusst   sein,   dass   jedes   ungerechte   Verhalten eine negative Wirkung hat. Es gibt Menschen, auf die wirkt es enttäuschend und deprimierend. Es   gibt   aber   auch   Menschen,   die   es   so   verstehen,   dass   ungerechtes Verhalten zum Ziel führt. Aus dieser Warte betrachtet, sind Schiedsrichter auch „Erzieher“. Und   wenn   sie   als   „Erzieher“   versagen,   hat   das   immer   eine   negative soziale Wirkung. Brauchen   wir   noch   mehr   negative   soziale   Wirkung,   als   wir   ohnehin schon haben? Wollen wir beim Sport nicht doch lieber fair bleiben? Egal,   ob   Spieler   oder   Schiedsrichter,   Trainer   oder   Fan,   Fairness   ist   die helle Seite der Seele.