Smartphone Die Smartbremse? Autor: Haß, 14.06.2017 Ist   das   Smartphone   ein   nützliches   Gimmick   des   täglichen   Lebens?   Oder   ist   es   ein   Instrument evolutionären Wandels? Ist das jetzt nicht ein wenig hoch gegriffen? Evolutionärer Wandel! Was ist das überhaupt? Ein   spektakulärer   evolutionärer   Wandel   wäre,   wenn   die   Menschheit   sich   zu   Amphibien   entwickeln würde. Also   nicht   mehr   eine   rein   landgebundene   Spezies   bliebe,   sondern   Land   und   Wasser   gleichermaßen als Lebensraum nutzen könnte. Von   einer   evolutionären   Entwicklung   kann   man   immer   sprechen,   wenn   sich   körperliche,   kognitive oder soziale Grundlagen dauerhaft ändern. Soziale Grundlagen? Was haben die mit Evolution zu tun? Nun, viele unserer grundlegenden sozialen Verhaltensmuster sind genetisch begründet. Dass   wir   sozial   agierende   Gruppen   (Rudel   /   Herden)   bilden,   statt   wie   Eisbären   als   Einzelgänger   zu leben,   ist   eine   grundlegende   soziale   Eigenschaft,   die   genetisch   bedingt   ist   und   damit   der   Evolution unterliegt. Nun   folgt   die   Evolution   sehr   gerne   dem   Prinzip,   dass   sie   eine   Spezies   so   anpasst,   dass   sie   mit   den vorherrschenden Umweltbedingungen umgehen kann, bzw. erfolgreich überlebensfähig ist. Diese Anpassungen gehen bis in die kleinsten Details. Durch   Training   erreichte   Anpassungen,   nehmen   wir   als   Beispiel   die   Höhenadaption   der   Sherpas, können, als primäre Eigenschaft, vererbt werden. Das    bedeutet,    dass    Tätigkeiten,    die    unserer    Leben    maßgeblich    über    Jahrzehnte    hinweg beeinflussen,   eine   Art   Konditionierung   darstellen,   die   als   genetische   Information   gespeichert   und vererbt werden kann. Insbesondere,   wenn   die   Evolution   die   Fähigkeit   als   zukünftig   nützlich   und   erfolgversprechend   für die Spezies oder Teile davon ansieht. Wow! Spricht der jetzt von intelligenter Evolution? Ja,   tue   ich.   Stichwort:   Intelligence   Design.   Womit   ich   aber   keinen   „Schöpfer“   meine.   Meiner Meinung   nach   unterliegt   die   Evolution   einer   intelligenten   Steuerung.   Was   die   Grundlage   dieser Intelligenz   ist   und   auf   welcher   Ebene   (subatomar?)   sie   agiert,   darüber   kann   nur   spekuliert werden. Zurück   zum   Thema:   Ist   das   Smartphone   eine   Art   Smartbremse?   Und   was   meine   ich   damit eigentlich? Smart   bedeutet   klug.   Sinngemäß   kluges   Telefon.   Ein   Telefon   ist   ein   Smartphone   schon   lange   nicht mehr.   Eigentlich   ist   es   ein   audiovisueller   Informationsdienstleister.   Sozusagen   ein   AID.   Es   versorgt uns   mit   Informationen.   Manchmal   egal,   ob   wir   sie   haben   wollen   oder   nicht.   Müssen   wir   wirklich immer   wissen,   was   wann   und   wo   auf   der   Welt   passiert?   Oder   ist   es   ein   soziales   Bedürfnis   „Up   to Date“ zu sein, weil man sonst das Gefühl hat, nicht dazu zu gehören? Nun,   durch   das   Smartphone   sind   für   uns   alle   im   Internet   publizierten   Informationen   jederzeit   und fast von jedem Ort aus erreichbar. Wir   werden   mit   Informationen   geradezu   überflutet.   Die   Frage   ist   nur,   wie   das   Gehirn   darauf reagiert. Das   menschliche   Gehirn   hat   keine   unendliche   Leistungsfähigkeit.   Aber   es   ist   vollautonom   in   der Lage   die   verfügbare   Leistung   aufzuteilen   und   gemäß   intuitiver   oder   bewusster   Prioritätensetzung einzusetzen. Wie   viel   von   unserer   Umwelt   nehmen   wir   noch   war,   wenn   wir   aufs   Smartphone   starrend   durch   die Fußgängerzone laufen? Eine   wissenschaftliche   Untersuchung   hat   kürzlich   bewiesen,   dass   selbst   ein   ungenutzt   auf   dem Schreibtisch   liegendes   Smartphone   kognitive   Ressourcen   bindet   und   somit   die   Leistungsfähigkeit beim   Lösen   von   Aufgaben   schmälert.   Warum?   Weil   ein   Teil   des   Gehirns   ein   wachsames   „Auge“   auf das Smartphone hat, damit man jederzeit reagieren kann, wenn dieses auch nur zuckt! So   wird   das   Smartphone   zu   einem   Tool,   das   uns   nicht   nur   mit   Informationen   versorgt   und   soziale Kontakte ermöglicht, sondern auch permanent kognitive Ressourcen bindet. Ich   vergleiche   es   mal   mit   dem   Bergsteigen.   Super,   dass   ich   in   meinem   Rucksack   alles   finde,   was ich brauche! Blöd nur, dass ich ihn schleppen muss. Beim Smartphone ist es nun so, dass uns das „kognitive“ Schleppen nicht einmal auffällt. Gut, fragen wir uns, welche Auswirkungen das Ding noch auf uns hat. Es   versorgt   uns   mit   Informationen.   Bequem,   schnell,   umfassend   und   in   einem   Rhythmus,   der, verglichen mit dem Informationsfluss zu Zeiten ohne Smartphone, absolut atemberaubend ist. Wir   erinnern   uns,   das   Gehirn   hat   ein   limitiertes   Leistungspotential.   Was   also   macht   es,   wenn   es laufend mit Informationen versorgt wird? Vorher   noch   ein   Hinweis.   Jede   Information   wird   vom   Gehirn   unterbewusst   bewertet.   Ist   sie   es wert,   gespeichert   zu   werden,   kommt   sie   ins   Langzeitgedächtnis.   Je   nach   Wertzuweisung   wird   sie dann   noch,   wieder   auf   unterbewusster   Ebene,   analysiert.   Dies   kann   geschehen,   während   wir   im Kino einen Film ansehen, oder auch des Nachts vor uns hinschlummern. Was    aber,    wenn    Informationen    zu    schnell    kommen?    Wenn    es    zu    viele    sind?    Dann    ist    das vergleichbar   mit   einem   Fließband,   das   so   schnell   läuft,   dass   die   Arbeiter   praktisch   nur   noch   jedes zweite oder dritte Teil bearbeiten können. Das   Gehirn   macht   es   ähnlich.   Informationen   werden   nicht   mehr   so   gründlich   betrachtet,   wie   es möglich    wäre.    Die    Folge    ist    Oberflächlichkeit.    Zudem    kann    eine    ständige    “Bedienung”    mit Informationen zu einer Minderung der eigenen Kreativität führen. Wie   das?   Nun   ja,   Kreativität   fordert   kognitive   Ressourcen.   Und   wenn   diese   Ressourcen   mit   dem Sortieren von Informationen belegt sind, stehen sie für Kreativität nicht mehr zur Verfügung. Das ist jetzt etwas zu pauschal formuliert, trifft aber im groben den Kern des Problems. Das   Problem   mit   dem   Problem   ist,   dass   es   nicht   auffällt.   Wie   auch?   Wie   soll   man   denn   die   eigene Kreativität und kognitive Leistung beurteilen, wenn man keine Vergleichsmöglichkeiten hat? Und   macht   es   überhaupt   Sinn?   Rational   betrachtet,   ist   die   Dynamik   der   Nutzung   des   Smartphones nicht aufzuhalten. Egal, wie sehr man Zusammenhänge erforscht, erkennt und auf sie hinweist. Der   verlockende   Nutzen   des   Smartphones   wird   die   Nutzung   desselbigen   bestimmen.   Daran   wird keine Erkenntnis und kein Hinweis etwas ändern können. Und genau das, ist Evolution!
Soziologie
Herbert Haß
Smartphone Die Smartbremse? Autor: Haß, 14.06.2017 Ist   das   Smartphone   ein   nützliches   Gimmick   des   täglichen   Lebens?   Oder ist es ein Instrument evolutionären Wandels? Ist   das   jetzt   nicht   ein   wenig   hoch   gegriffen?   Evolutionärer   Wandel!   Was ist das überhaupt? Ein   spektakulärer   evolutionärer   Wandel   wäre,   wenn   die   Menschheit   sich zu Amphibien entwickeln würde. Also   nicht   mehr   eine   rein   landgebundene   Spezies   bliebe,   sondern   Land und Wasser gleichermaßen als Lebensraum nutzen könnte. Von   einer   evolutionären   Entwicklung   kann   man   immer   sprechen,   wenn sich körperliche, kognitive oder soziale Grundlagen dauerhaft ändern. Soziale Grundlagen? Was haben die mit Evolution zu tun? Nun,    viele    unserer    grundlegenden    sozialen    Verhaltensmuster    sind genetisch begründet. Dass   wir   sozial   agierende   Gruppen   (Rudel   /   Herden)   bilden,   statt   wie Eisbären    als    Einzelgänger    zu    leben,    ist    eine    grundlegende    soziale Eigenschaft,    die    genetisch    bedingt    ist    und    damit    der    Evolution unterliegt. Nun   folgt   die   Evolution   sehr   gerne   dem   Prinzip,   dass   sie   eine   Spezies   so anpasst,     dass     sie     mit     den     vorherrschenden     Umweltbedingungen umgehen kann, bzw. erfolgreich überlebensfähig ist. Diese Anpassungen gehen bis in die kleinsten Details. Durch    Training    erreichte    Anpassungen,    nehmen    wir    als    Beispiel    die Höhenadaption   der   Sherpas,   können,   als   primäre   Eigenschaft,   vererbt werden. Das   bedeutet,   dass   Tätigkeiten,   die   unserer   Leben   maßgeblich   über Jahrzehnte   hinweg   beeinflussen,   eine   Art   Konditionierung   darstellen,   die als genetische Information gespeichert und vererbt werden kann. Insbesondere,   wenn   die   Evolution   die   Fähigkeit   als   zukünftig   nützlich und   erfolgversprechend   für   die   Spezies   oder   Teile   davon   ansieht.   Wow! Spricht der jetzt von intelligenter Evolution? Ja,    tue    ich.    Stichwort:    Intelligence    Design.    Womit    ich    aber    keinen „Schöpfer“   meine.   Meiner   Meinung   nach   unterliegt   die   Evolution   einer intelligenten   Steuerung.   Was   die   Grundlage   dieser   Intelligenz   ist   und auf   welcher   Ebene   (subatomar?)   sie   agiert,   darüber   kann   nur   spekuliert werden. Zurück   zum   Thema:   Ist   das   Smartphone   eine   Art   Smartbremse?   Und was meine ich damit eigentlich? Smart   bedeutet   klug.   Sinngemäß   kluges   Telefon.   Ein   Telefon   ist   ein Smartphone   schon   lange   nicht   mehr.   Eigentlich   ist   es   ein   audiovisueller Informationsdienstleister.    Sozusagen    ein    AID.    Es    versorgt    uns    mit Informationen.   Manchmal   egal,   ob   wir   sie   haben   wollen   oder   nicht. Müssen   wir   wirklich   immer   wissen,   was   wann   und   wo   auf   der   Welt passiert?   Oder   ist   es   ein   soziales   Bedürfnis   „Up   to   Date“   zu   sein,   weil man sonst das Gefühl hat, nicht dazu zu gehören? Nun,   durch   das   Smartphone   sind   für   uns   alle   im   Internet   publizierten Informationen jederzeit und fast von jedem Ort aus erreichbar. Wir   werden   mit   Informationen   geradezu   überflutet.   Die   Frage   ist   nur, wie das Gehirn darauf reagiert. Das   menschliche   Gehirn   hat   keine   unendliche   Leistungsfähigkeit.   Aber es   ist   vollautonom   in   der   Lage   die   verfügbare   Leistung   aufzuteilen   und gemäß intuitiver oder bewusster Prioritätensetzung einzusetzen. Wie   viel   von   unserer   Umwelt   nehmen   wir   noch   war,   wenn   wir   aufs Smartphone starrend durch die Fußgängerzone laufen? Eine   wissenschaftliche   Untersuchung   hat   kürzlich   bewiesen,   dass   selbst ein   ungenutzt   auf   dem   Schreibtisch   liegendes   Smartphone   kognitive Ressourcen   bindet   und   somit   die   Leistungsfähigkeit   beim   Lösen   von Aufgaben   schmälert.   Warum?   Weil   ein   Teil   des   Gehirns   ein   wachsames „Auge“   auf   das   Smartphone   hat,   damit   man   jederzeit   reagieren   kann, wenn dieses auch nur zuckt! So    wird    das    Smartphone    zu    einem    Tool,    das    uns    nicht    nur    mit Informationen   versorgt   und   soziale   Kontakte   ermöglicht,   sondern   auch permanent kognitive Ressourcen bindet. Ich   vergleiche   es   mal   mit   dem   Bergsteigen.   Super,   dass   ich   in   meinem Rucksack   alles   finde,   was   ich   brauche!   Blöd   nur,   dass   ich   ihn   schleppen muss. Beim   Smartphone   ist   es   nun   so,   dass   uns   das   „kognitive“   Schleppen nicht einmal auffällt. Gut, fragen wir uns, welche Auswirkungen das Ding noch auf uns hat. Es   versorgt   uns   mit   Informationen.   Bequem,   schnell,   umfassend   und   in einem   Rhythmus,   der,   verglichen   mit   dem   Informationsfluss   zu   Zeiten ohne Smartphone, absolut atemberaubend ist. Wir   erinnern   uns,   das   Gehirn   hat   ein   limitiertes   Leistungspotential.   Was also macht es, wenn es laufend mit Informationen versorgt wird? Vorher     noch     ein     Hinweis.     Jede     Information     wird     vom     Gehirn unterbewusst   bewertet.   Ist   sie   es   wert,   gespeichert   zu   werden,   kommt sie   ins   Langzeitgedächtnis.   Je   nach   Wertzuweisung   wird   sie   dann   noch, wieder   auf   unterbewusster   Ebene,   analysiert.   Dies   kann   geschehen, während   wir   im   Kino   einen   Film   ansehen,   oder   auch   des   Nachts   vor   uns hinschlummern. Was   aber,   wenn   Informationen   zu   schnell   kommen?   Wenn   es   zu   viele sind?   Dann   ist   das   vergleichbar   mit   einem   Fließband,   das   so   schnell läuft,   dass   die   Arbeiter   praktisch   nur   noch   jedes   zweite   oder   dritte   Teil bearbeiten können. Das   Gehirn   macht   es   ähnlich.   Informationen   werden   nicht   mehr   so gründlich      betrachtet,      wie      es      möglich      wäre.      Die      Folge      ist Oberflächlichkeit.     Zudem     kann     eine     ständige     “Bedienung”     mit Informationen zu einer Minderung der eigenen Kreativität führen. Wie   das?   Nun   ja,   Kreativität   fordert   kognitive   Ressourcen.   Und   wenn diese   Ressourcen   mit   dem   Sortieren   von   Informationen   belegt   sind, stehen sie für Kreativität nicht mehr zur Verfügung. Das   ist   jetzt   etwas   zu   pauschal   formuliert,   trifft   aber   im   groben   den Kern des Problems. Das   Problem   mit   dem   Problem   ist,   dass   es   nicht   auffällt.   Wie   auch?   Wie soll   man   denn   die   eigene   Kreativität   und   kognitive   Leistung   beurteilen, wenn man keine Vergleichsmöglichkeiten hat? Und   macht   es   überhaupt   Sinn?   Rational   betrachtet,   ist   die   Dynamik   der Nutzung    des    Smartphones    nicht    aufzuhalten.    Egal,    wie    sehr    man Zusammenhänge erforscht, erkennt und auf sie hinweist. Der   verlockende   Nutzen   des   Smartphones   wird   die   Nutzung   desselbigen bestimmen.    Daran    wird    keine    Erkenntnis    und    kein    Hinweis    etwas ändern können. Und genau das, ist Evolution!
Wissenschaft: Soziologie
Herbert Haß